Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Archiv für die Kategorie ‘1. Muslime im Alltag’

Integration und religiöse Identität der Muslimen in der Schweiz

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 10. Dezember, 2007

hho_5204_behloul100x0.jpg Interview mit Dr. Samuel Behloul, Universität Luzern. Dr. Samuel Behloul ist Assistent am Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern. Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Islam in der Geschichte, Diaspora- und Migrationsforschung mit besonderer Fokussierung auf Islam und Muslimen in der Schweiz.

Im folgenden Interview mit DG erzählt Dr. Behloul über das sehr aktuelle Thema der Integration und der religiösen Identität von Muslimen in der Schweiz:

DG: Im Rahmen Ihrer Forschung hier an der Universität Luzern haben Sie die Angelegenheit der religiösen Identität und ihren Einfluss auf der Integration in der breiteren Gesellschaft erforscht. Diese ist sicher eine interessante Perspektive, denn es scheint für viele Menschen ein Hindernis zur Integration, seine religiöse Identität zu beteuern. Was hat Ihre Forschung in dieser Hinsicht ergeben? Was ist Ihre Ansicht?

SB: Bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre spielte die Frage nach der Religionszugehörigkeit im Zuwanderungs- und Integrationsdiskurs keine herausragende Rolle. Der Grund dafür lag u.a. darin, dass unter Integration mehr oder weniger ein allmählicher Prozess der Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft verstanden wurde. In solch einem Deutungshorizont war für die Religion von Zuwanderern – unabhängig von ihrer jeweiligen Religionszugehörigkeit – automatisch derselbe Stellenwert vorgesehen, wie auch für das Christentum als traditionelle Religion der Aufnahmegesellschaft: Religion musste Privatsache bleiben. Als dann seitens der Zuwanderer immer lauter das Recht auf öffentlich sichtbare Differenz – das heisst auch religiöse Differenz – geltend gemacht wurde, geriet Religion rasch in den Verdacht, integrationshemmend zu wirken. Sie würde nämlich normative Zwänge ausüben, die mit dem Wertekodex moderner rechtlich-säkularen Demokratien nicht mehr kompatibel seien. In der Zeit nach dem 11. September 01 hat dieser Verdacht gegenüber Religion – insbesondere gegenüber Islam – einen Explizitheitsschub erfahren.Nun, generell gesehen, stellt Religion ein ambivalentes Phänomen dar. Religion wird von Menschen gelebt und gestaltet. Von Mensch zu Mensch oder von Gruppe zu Gruppe kann es deswegen unterschiedliche Formen religiöser Identifizierung geben. Unter bestimmten Umständen, z.B. wenn Migrantinnen und Migranten seitens einer Mehrheitsgesellschaft das Gefühl vermittelt wird, aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit nicht dazu zu gehören, kann Religion tatsächlich zur Abschottung eines Individuums oder einer Gruppen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft führen. Umgekehrt kann dieses Gefühl genauso konstruktive Interaktionsprozesse mit der Mehrheitsgesellschaft auslösen und so die Kommunikation mit den relevanten Faktoren der Gesellschaft fördern.Im Rahmen meiner Forschungen innerhalb muslimischer Communities in der Schweiz konnte ich gerade Letzteres beobachten. Ein Generalverdacht gegenüber Muslimen hat nicht zur Abschottung von Muslimen geführt. Mit zahlreichen Dialog- und Begegnungsinitiativen – sei es auf der Ebene der Dachvereine oder auf der Ebene ethno-spezifischer Moscheevereine – suchen Muslime in der Schweiz einen konstruktiven Dialog mit der Schweizerischen Gesellschaft, um auf diese Weise zu zeigen, dass man auch als Muslim oder Muslima ein loyaler Bürger sein kann.

DG: Laut der Medien gibt es einen allgemeinen Trend von Leuten, die auf der Suche nach ihrer religiösen Identität sind. Ist das auch ein Trend, den Sie feststellen konnten? Was hat dieses plötzliche Interesse in den letzten Jahrzehnten verursacht?

SB: Mit Blick auf die Entwicklung des Phänomens Religion lassen sich innerhalb westlicher Gesellschaften zwei gegenläufige Tendenzen: während sich einerseits viele gesellschaftliche Teilbereiche seit einigen Jahrzehnten immer mehr von religiösen (im Falle von Europa christlichen) Bezügen emanzipieren, wird die religiöse Szene andererseits immer pluraler und komplexer. Mit Blick auf ein quantitativ zunehmendes und qualitativ immer selbstbewussteres Auftreten von Religionsgemeinschaften (insbesondere von Muslimen) in der Öffentlichkeit ist sogar von einer Wiederkehr, bzw. Renaissance des Religiösen die Rede. Von einem wieder erstarkten Interesse am Religiösen – sei es auf individueller oder gesellschafts-politischer Ebene – kann man tatsächlich sprechen. Diese Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Interesse an Religiösem sich genauso vielfältig gestaltet, wie auch die religiöse Landschaft vielfältig geworden ist. Generell lässt sich sicherlich die Suche nach dem Sinn und das Bedürfnis nach klarer Orientierung und und nach Zugehörigkeit in einer immer komplexeren Gesellschaft als ein wichtiger Grund für eine erneute Zuwendung zur Religion nennen.

DG: Wie kann die Beteuerung der eigenen religiösen Identität den Integrationsprozess in der breiteren Gesellschaft verstärken?

SB: In zahlreichen sozial- und religionswissenschaftlichen Feldstudien der letzten Jahre konnte elaboriert werden, dass Religion tatsächlich eine wichtige integrationsfördernde Rolle spielen kann. Das Vorhanden von Sprachkenntnissen, von Ausbildung und Beruf sind zwar unumgänglich für einen gelingenden Integrationsprozess. Allein für sich genommen sind sie aber noch kein Garant einer gelungenen Integration. Denn gerade in einer plural gestalteten Gesellschaft kann das Bewusstsein, zu wissen, wer man ist und wohin man gehört, im Integrationsprozess eine zentrale Rolle spielen. Neben den ethnischen, nationalen und kulturellen sind es auch religiöse Identifizierungen, welche einen wesentlichen Bestandteil dieses Identitätsbewusstseins einer Person ausmachen können. Deswegen ist die Einsicht wichtig, dass für Migranten und deren Nachkommen die Intergration zunehmend auch das Recht bedeutet, anders zu sein – auch in religiöser Hinsicht. Schon vor einigen Jahren hat der Staatsrechtler Walter Kälin zurecht darauf hingewiesen, dass jemand der Kopftuch trägt oder an einem anderen Tag betet als dem Sonntag nicht nur in Schule und im Berufsleben erfolgreich sein kann, sondern sich diesen Herausforderungen möglicherweise noch besser zu stellen vermag, wenn er weiss wohin er gehört, als wer Identität und Werte bezogen entwurzelt ist.

DG: Diese Suche nach der religiösen Identität ist eine individuelle Erfahrung, und wie viele individuellen Erfahrungen, kann diese zu verschiedenen Richtungen führen. Könnte dies, in einigen Fällen, zu einem anti-sozialen, extremen und isolationistischem Verhalten führen? Was könnten diese Fallen sein? Sollte man Individuen in ihrer Suche leiten oder unterstützen? Was können die etablierten religiösen Gemeinschaften tun, in diesem Prozess zu helfen?

SB: Wenn eine Person oder auch Gruppe permanent sozialer Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft begegnet, dann kann diese Erfahrung unter Umständen dazu führen, dass man gerade in der Religion als normativem Zeichen- und Symbolsystem Zuflucht sucht und zunehmend auf Distanz zu der Gesellschaft geht, in der man lebt – bis hin zu der völligen Abschottung. Etablierte Religionsgemeinschaften, vor allem ihre Autoritäten, können hier eine wichtige Berater- und Vermittlerrolle spielen. Wichtig dabei ist, dass solche Autoritäten selbst dazu fähig sind, zeitgemässe Interpretationen von religiösen Inhalten zu leisten und auf die Notwendigkeit von solchen Interpretationen immer wieder hinzuweisen. Es ist erfreulich zu beobachten, dass beispielsweise bei Verständigungs- und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen muslimischen Individuen und den Behörden – allen voran Schulen – gerade Imame immer öfter wichtige religiös-kulturelle Vermittlerdienste leisten.

DG: Wie sehen Sie die Entwicklung und die Situation der muslimischen Gemeinschaft in Luzern, in Bezug auf ihre religiöse Identität und ihrer Integration in der breiten schweizerischen Gesellschaft?

SB: Im Rahmen meiner bisherigen Feldforschungen innerhalb muslimischer Migrantenmillieus in der Schweiz konnte ich hinsichtlich religiöser Identifizierung feststellen, dass es unter muslimisch geprägten Migranten und deren Nachkommen in der Schweiz einen äusserst individuellen und pragmatischen Umgang mit religiösen Normen und Vorschriften des Islam gibt. Das Gefühl und auch der Stolz Muslim zu sein sind vor allem bei vielen jungen Leuten, die ich gesprochen habe, stark ausgeprägt. Das muslimische Gemeindeleben im Kanton Luzern ist in vielerlei Hinsicht interessant. Einerseits kann man hier auf einem begrenzten Raum die ganze kulturelle und hekunftsspezifische Vielfalt und Reichtum der islamischen Religion hautnah erleben und natürlich auch erforschen. Andererseits ist auch eine bemerkenswerte über Sprach- und Kulturgrenzen hinausgehende Solidarität und Zusammenarbeit unter Luzerner Muslimen zu beobachten. Dies manifestiert sich nach Aussen hin in zahlreichen Dialog-, Begegnungs- und Diskurssionsinitiativen, die schon seit einigen Jahren auf der Dachvereinsebene von engagierten muslimischen Frauen und Männern unternommen werden und immer neue Kommunikationsräume mit den wichtigen Faktoren der Mehrheitsgesellschaft – von den Behörden, politischen Parteien über Kirchen bis hin zu den wissenschaftlichen Einrichtungen – schaffen. Mit Blick auf die mögliche zukünftige Entwicklung muslimischen Lebens – sowohl im Kanton Luzern, wie auch schweizweit – ist unter den jungen Muslimen schon jetzt die Tendenz erkennbar, den sozio-kulturellen und gesellschafts-politischen Kontext der Schweiz für die eigene religiöse Identität als zunehmend mitbestimmend zu erkennen und zu akzeptieren. Die Art und Weise wie sich das muslimische Leben im Kanton Luzern entwickelt kann meines Erachtens in vielerlei Hinsicht als paradigmatisch für einen sich viel versprechend entwickelnden Eingliederungsprozess des Islam in die Schweizer Gesellschaft als zukünftig wichtiger und relevanter öffentlicher Faktor angesehen werden.

YuSa

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Bericht über das Familienpicknick 2006

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Nachdem während der ersten Septemberwoche das Wetter nicht sehr gut war, konnte man hingegen am frühen Morgen des 9. Septembers 2006 erkennen, dass man einen wunderschönen Tag vor sich hat. Der Tag versprach sonnig mit sehr angenehmen Temperaturen zu werden. Genau die richtige Voraussetzung für ein Picknick. Und so machten sich um 9 Uhr früh oberhalb von Weggis viele eifrige Hände daran ein Fest vorzubereiten, dass es in dieser Form in der Zentralschweiz vorher noch nie gegeben hatte. Ein Feuer wurde entfacht, ein Grill aufgestellt, Tische und Stühle für die erwarteten Besucher bereit- und verschiedene Informations- und Verkaufsstände aufgestellt. Natürlich hat man auch die jüngeren Besucher bedacht und für sie eine Kinderbetreuung eingerichtet.
Um cirka 11 Uhr war es dann soweit, die ersten Besucher trafen ein und mit Ihnen die ersten Speisen. Nach und nach trafen weitere Leute ein und alle brachten Sie etwas zum essen mit, so dass um 12.00 Uhr das Buffet eröffnet werden konnte. Nebst verschiedenen Köstlichkeiten vom Grill, konnten sich die Besucher an einer grossen Auswahl an fremdländischen und schweizerischen Salaten, Beilagen und Desserts erfreuen. Es gab für alle genug Essen und es wurde ein gelungener Lunch.
Den ganzen Nachmittag über gab es verschiedene Aktivitäten. Während dem die Erwachsenen dem Vortrag über Familienwerte und Integration von Khaldoun Dia-Eddine lauschten, bastelten und malten die älteren Kinder und die ganz Kleinen hielten ihren Mittagsschlaf.
Anschliessend an den Vortrag sass man gemütlich bei Kaffee, Tee und Kuchen zusammen. Es wurde gemeinsam gebetet. An den Informationsständen konnte man sich Infos zu IGL und Muslime helfen holen. An einem Verkaufstand gab es, offeriert von der Islamischen Bibliothek Luzern, Bücher jeglicher Art zu kaufen, und an einem zweiten Stand gab es Frauenkleider für jeden Geschmack. Und damit nicht genug, auch die sportlicheren Besucher kamen nicht zu kurz: Fussball, Volleyball und Ping-Pong füllten den Nachmittag bis zum Abend.
Leider geht aber auch ein wunderschöner Tag wie dieser einmal zu Ende und was uns bleibt sind die Erinnerungen an die schönen Stunden, die wir gemeinsam mit unseren Schwestern und Brüdern verbringen durften. Und gleichzeitig schürt es die Vorfreude auf den nächsten Anlass dieser Art.
Das Familienpicknick vom 9. September 2006 in Weggis wurde von IGL organisiert, mit dem Ziel ein Gemeinschaftszugehörig-keitsgefühl unter den in der Zentralschweiz lebenden Muslimen zu schaffen. Mit den cirka 150 Besuchern ist IGL der Anfang sehr gut gelungen und der Grundstein für das Ziel ist gesetzt. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Ihren Besuch und allen Helferinnen und Helfern für Ihre Mithilfe. Möge es in Zukunft, Inshallah, noch viele weitere Anlässe dieser Art geben.

Bilder:

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Mit 14 Jahren Schweizer Meisterin im Golfspielen

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Olivia Birrer, junge Muslima aus Neuenkirch, ist 14 Jahre alt und spielt seit 4 Jahren Golf. Sie hat ein Handicap von 4.4, ist im Regionalkader Ost und wurde letztes Jahr
sogar Schweizer Meisterin. DG wollte erfahren, wie sie zu ihrem Erfolg
gekommen ist und hat sie dazu befragt.

Olivia

DG: Olivia, was hat dich dazu inspiriert, Golf zu spielen?
Olivia: “Meine Eltern. Sie spielen Golf und haben damit meine Faszination für diesen Sport geweckt. Es dauerte nicht lange und schon ging ich mit ihnen spielen…”

DG: Was fasziniert dich am meisten beim Golf?
Olivia lächelt und sagt: “Dass man keine Gegner hat, sondern gegen sich selbst spielt, und dass jeder Golfplatz auf dieser Welt anders ist. Man braucht für diesen Sport auch sehr viel Selbstbeherrschung, damit man sich nach einem schlechten Schlag nicht herunterkriegen lässt.”

DG: Was meinst du genau mit “Selbstbeherrschung”?
Olivia: “Dass der Ball auf jeden Fall im Loch drin sein muss, ganz egal wie viel Zeit man dafür benötigt. Es braucht eine gewisse mentale Stärke, vor allem weil man nur dadurch ein tieferes Niveau erreichen kann.”

DG: Ist es Glückssache, ob man trifft oder nicht?
Olivia: “Ja und Nein. Man braucht schon manchmal Glück, damit einem alles gelingt. Vieles daran kann aber auch trainiert werden. Je mehr man trainiert desto mehr Bälle fallen ins Loch. Übung macht den Meister.”

DG: Ist es nicht schwierig für dich, Schule und Golf miteinander zu kombinieren?
Olivia: “Letztes Jahr war es für mich schwierig alles unter ein Dach zu bringen, doch dieses Jahr sieht es anders aus. Ich besuche das Sportgymnasium in Luzern. Ich besuche jeden Morgen und an zwei Nachmittagen wie gewöhnlich den Schulunterricht und über die restlichen drei Nachmittage können wir dann frei verfügen. Diese Nachmittage nutze ich um zu trainieren und manchmal auch um joggen zu gehen.”

DG: Was sind deine künftigen Ziele bezüglich Golf?
Olivia: “Vom Regionalkader ins Natioalkader aufzusteigen. Ich möchte die Schweiz im Ausland vertreten und das durfte ich zum ersten Mal in Italien, nämlich vom 9. – 12. November 2006.”

DG: Wie gestaltest du deine Freizeit?
Olivia: “Ich opfere viel Zeit für das Golfspielen. Denn es ist – ausser im Dezember und Januar – immer Golfzeit. Natürlich gönne ich mir auch mal einen Stadtbummel mit meinen Freundinnen.”

DG: Ist das Golfspiel nicht eher eine edlere Sportart? Es sieht so aus, als würde diese Sportart nur von älteren Menschen geehrt. Kannst du diese Behauptung bestätigen und wie fühlst du dich dabei?
Olivia: (macht grosse Augen) “Nein, Golf ist nicht nur für die Reichen! Manche spielen zwar nur, damit es heisst, “Oh, du spielst Golf!”. Aber es gibt natürlich sehr viele Leute, die Golf einfach mögen und Spass daran haben. Es muss nicht sein, dass man reich ist. So edel es auch scheinen mag, alle Golfer sind unter einander per du, egal ob man Arzt, Geschäftsführer oder nur Schüler ist. Noch bevor das Spiel anfängt, beginnen wir uns zu duzen… Dies ist eine Tradition im Golf. Das macht das ganze leichter und lockerer. Ich spiele öfters auch mit 70-Jährigen und habe damit absolut keine Mühe.”

DG: Wie lange dauert ein Spiel?
Olivia: “Etwa fünf Stunden für 18 Loch. Für jeden Schlag braucht man einen anderen Schläger.”

DG: Wie viele Pokale hast du schon?
Olivia: “17 Stück sind es mittlerweilen.” (und zeigt dabei stolz, wo sie platziert sind)

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Was heisst Integration?

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Ein Interview mit Dr. Hansjörg Vogel, Integrationsbeauftragter des Kantons Luzern

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DG: Glauben Sie, dass eine Integration statt finden wird?
Dr. Vogel: In den letzten 60 Jahren sind mehrere Millionen Menschen in die Schweiz immigriert. Gegenwärtig leben etwa 1,5 Millionen Personen ohne Schweizer Pass in unserem Land. Das Zusammenleben gestaltet sich grösstenteils friedlich und problemlos. Dies ist das Ergebnis einer grossen Anpassungslei-stung der Zugewanderten und auch einer gewissen Offenheit der Schweizer Bevölkerung.
DG: Wer darf sich als integriert fühlen? Wann ist man integriert?
Dr. Vogel: Diese Frage hat verschiedene Ebenen. Auf der sozialen Ebene bin ich dann in einer Gesellschaft integriert, wenn ich mich zugehörig fühle. Auf der strukturellen Ebene bin ich integriert, wenn ich meine Existenz gesichert habe durch Erwerbsarbeit oder Rente, wenn ich eine Wohnung habe, wenn ich mit dem Gesetz nicht in Konflikt stehe, und wenn ich mir Bildung erwerben kann.
DG: Welche positiven Entwicklungen haben sie bei der Integration beobachtet?
Dr. Vogel: Seit etwa zehn Jahren wird in unserem Land von Integration gesprochen. Seit etwa sechs Jahren werden Integrationsprojekte vom Bund und vielen Kantonen und Gemeinden gefördert. Dadurch gibt es zum Beispiel viel mehr alltagsorientierte Sprachkurse für Zielgruppen, die schwierig erreichbar sind (z.B. im Gastgewerbe, Schichtarbeiter, Familienfrauen). Soeben wurde ein neues Ausländergesetz angenommen, das in einem eigenem Kapitel die Integration als Staatsaufgabe definiert und festhält, dass Bund, Kantone und Gemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben die Anliegen der Integration berücksichtigen sollen. Ich denke, dass wir immer noch am Anfang sind in der Entwicklung der Integration. Aber erste deutliche Schritte werden langsam erkennbar.
DG: Was bietet die schweizerische Gesellschaft an, damit sich die Ausländer integriert/aufgehoben fühlen?
Dr. Vogel: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil die schweizerische Gesellschaft gegensätzliche Strömungen enthält. Das zentrale Angebot der Gesellschaft ist der Arbeitsmarkt – dieser ist auch der Motor der Einwanderung. Wer Arbeit hat, wer als Arbeitskraft geschätzt ist und dadurch auch die Möglichkeit hat, sein Leben zu gestalten, hat eine wichtige Basis der Integration. Die zweite grosse gesellschaftliche Instanz für Integration ist die Schule. Die Schule ist für alle obligatorisch, sie lehrt Schweizer- und Ausländerkinder das Zusammenleben. Mehr und mehr ergreift die Schule auch Massnahmen, um fremdsprachige Schü-lerinnen und Schüler zu unterstützen (Deutsch als Zweitsprache, Nachhilfeunterricht). In der Öffnung der Institutionen und Vereine besteht jedoch noch ein Nachholbedarf, dass alle Zugewanderten die gleichen Zugangschancen haben.
DG: Hat Integration auch negative Sichten? Wenn ja, welche?
Dr. Vogel: Integration als Hineinwachsen in ein gemeinsames Ganzes hat an sich keine negativen Seiten. Der Integrations-prozess verläuft jedoch nicht immer chancengleich und konfliktfrei.
DG: Warum ist die Integration – vor allem für die Schweiz – so wichtig?
Dr. Vogel: Wohin fehlende Integration führen kann, zeigten vor einem Jahr die Unruhen in Frankreichs Vorstädten. Gerade junge Menschen verlieren ihre Lebensperspektive. Dies führt zu Kriminalität, Zerstörung und unermesslichen Sozialkosten.
DG: Ist die Integration ein Thema, für das man sich gegenseitig bemühen muss oder müssen sich nur die Ausländer darum bemühen?
Dr. Vogel: Integration ist ein Prozess, an dem alle beteiligt sind, deshalb betont das neue Ausländergesetz, dass Integra-tion sowohl den entsprechenden Willen der Ausländerinnen und Ausländer als auch die Offenheit der schweizerischen Bevölkerung voraussetzt.
DG: Welche Rolle spielt die Religions-angehörigkeit bei der Integration? Ist z.B. die Konfession ein Störfaktor für die Integration?
Dr. Vogel: Die Religion ist ein wichtiger Faktor bei der Integration. Denn Religion vermittelt das Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat. Sie schafft Sinn und Kraft in den Übergängen des Lebens. Migration ist ein einschneidender Übergang, der Verlust von Vertrautem und Einlassen auf Neues und Unbekanntes bedeutet. Eine religiöse Praxis, die bisher in der Aufnahmegesellschaft fremd war, kann im Alltag – vor allem zu Beginn – auch Fragen und Schwierigkeiten aufwerfen. So ist zum Beispiel die Lebensweise der Muslime in der Schweiz noch wenig bekannt. Sie wird erst seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit thematisiert.
DG: Was denken Sie zum Thema Kopftuch und Integration (z.B. bei der Arbeitsuche)?
Dr. Vogel: In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion wird das Kopftuch oft mit der Unterdrückung der Frau oder einer politisch extremen Haltung verbunden. Dies schafft Misstrauen und Arbeitgeber befürchten, Mitarbeiterinnen mit Kopftuch würden bei der Kundschaft nicht akzeptiert. Ich denke deshalb, dass das Tragen des Kopftuchs die Arbeitssuche eher erschwert. Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht leicht ist, die Religionsfreiheit in der Gesellschaft wirklich umzusetzen. Das Prinzip der Religionsfreiheit umfasst die Freiheit, ein Kopftuch zu tragen oder nicht. Diese Freiheit soll von allen anerkannt werden. Dazu brauchen wir noch einen längeren Weg.
DG: Wie ist allgemein Ihre Meinung über die Konsequenzen des neu gewählten Ausländergesetz, spezifisch über:
* Auswirkung auf muslimische Migrantin-nen und Migranten?
* Auswirkung auf Integrationsbemüh-ungen ­ werden sie erschwert oder erleichtert?
* Wird es nicht mehr diskriminierend sein? (man unterscheidet zwischen gewünschte EU Migranten und nicht gewünschte Migranten aus anderen Ländern)
Dr. Vogel: Das neue Ausländergesetz sieht die Integration als Staatsaufgabe und formuliert das Ziel der Integrationspolitik (Art. 4): “Ziel der Integrationspolitik ist das Zusammenleben der einheimischen und ausländischen Wohnbevölkerung auf der Grundlage der Werte der Bundesverfassung und gegenseitiger Achtung und Toleranz.” In einem eigenen Kapitel wird die Integrationsförderung beschrieben. Darin ist neu auch die Informationspflicht der Behörden über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Schweiz festgehalten. Auf dieser Ebene werden die Integrationsbemühungen wesentlich gesteigert. Was sich indirekt integrationshemmend auswirken wird, ist die Tatsache, dass die Zulassung und Rahmenbedingungen (vor allem für den Familiennachzug) der Zugewanderten aus den EU/Efta-Ländern und derjenigen aus den Drittstaaten sehr unterschiedlich sind. Dies schafft ein Gefälle zwischen den beiden Gruppen. Es ist noch nicht absehbar, was dies bedeutet. Auf die Integration der muslimischen Migrantinnen und Migranten direkt hat das neue Ausländergesetz keinen Einfluss. Indirekt sind sie davon betroffen, weil sie meistens aus Drittstaaten stammen. Dies kann sich zum Beispiel für Menschen aus der Türkei ändern, wenn die Türkei EU-Mitglied wird. Dann werden Zugewanderte aus der Türkei und aus Deutschland oder Frankreich die gleichen Aufenthaltsbedingungen haben.
DG: Wie sieht die Lage auf dem Arbeitsmarkt für muslimische Jugendliche aus? Gibt es Diskriminierung? Was für Aktionen/ Programme gibt es?
Dr. Vogel: Mir sind keine Untersuchungen bekannt, die die Diskriminierung muslimischer Jugendlicher auf dem Arbeitsmarkt nachweisen. Nach einer Studie werden ausländische Jugendliche vor allem aus der Türkei und Serbien, sowie albanische Jugendliche bei der Lehrstellensuche deutlich diskriminiert. Dabei spielt nach meiner Einschätzung die Religion keine grosse Rolle. Es geht mehr um das “Image” dieser Bevölkerungsgruppe, das unter sozialen und kriminellen Schwierig-keiten einer kleinen Minderheit von ihnen leidet.
DG: Was gibt es für aktuelle integrationsfördernde Aktionen und Programme im Kanton Luzern?
Dr. Vogel: Neben der Integrationsförderung in der Schule durch Deutsch als Zweitsprache, durch Integrationskurse für Jugendliche, durch verschiedene Elterninformationen und der Integrationsförderung im Erwerbslosenbereich gibt es eine Projektförderung von Integrationsprojekten. Ein wichtiges Projekt darunter ist das Projekt “incluso”, welches für 40 Migrantenjugenliche der dritten Oberstufe Mentorinnen und Mentoren zur Verfügung stellt, welche sie bei der Lehrstellensuche begleiten. Damit wollen wir die Chancen der Migrantenjugendlichen in der Lehrstellensuche fördern.
Im weiteren unterstützt der Kanton die Fachstelle FABIA in der Integrationsarbeit (www.fabialuzern.ch) und den Dolmetsch-dienst Zentralschweiz der Caritas Luzern (www.dolmetschdienst.ch).
Ganz neu haben die sechs Zentralschweizer Kantone die Website www.integration-zentralschweiz.ch eingerichtet, welche über verschiedene Angebote und Projekte informiert.

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Begegnungswoche im Quartier Tribschen-Langensand

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Vom 29. Oktober bis 4. November 2006 fand in der Pfarrei St. Anton eine Begegnungswoche statt. Es trafen sich viele Leute verschiedenster Kulturen, die in der Pfarrei St. Anton bzw. im Quartier Tribschen-Langensand wohnen. Projektleiterin war Marie-Alice Blum, die schon seit 1997 in der Pfarrei St. Anton tätig ist.
In der Projektvorbereitung und Planung waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Migrantenorganisationen aus dem Pfarreigebiet beteiligt. Einen grossen Beitrag haben die Pfarrei St. Anton, VIOKL (Vereinigung Islamischer Organisationen des Kantons Luzern), Reveil Afrique (Afrikanisches Kulturzentrum), Tamil Mandram (Tamilisches Zentrum), Katholische Kroatenmission, Stiftung CILCel und eine portugiesische Gruppe geleistet.
Die Aktivitäten während der Woche waren sehr vielfältig: z.B. gab es eine Ausstellung mit Cafeteria, welche von den Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Herkunftsländern selber gestaltet wurde um damit ihr soziales, kulturelles und religiöses Alltagsleben in der Schweiz vorzuführen. Es wurden zudem Workshops veranstaltet, ein Kindernachmittag durchgeführt, ein interkultureller Gottesdienst gehalten und ein interkulturelles Fest gefeiert.
Ziel dieser Begegnung war es, dass sich die Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und verschiedenen Religionszugehörigkeiten näher kennen lernen und den Respekt untereinander dadurch gefördert wird. Zielgruppe waren, wie bereits erwähnt, die Einwohner des Quartiers Tribschen-Langensand.

Bilder:

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