Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Archiv für die Kategorie ‘3. News Europa’

USA als Vorbild?

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 29. August, 2007

USA als Vorbild?

Diese Frage dürfte hier in Schweiz wohl wenige Personen mit einem uneingeschränkten “ja” beantworten.
Es gibt aber durchaus Punkte in USA, welche auch für uns Muslime in der Schweiz durchaus Vorbildcharakter haben kann. So zum Beispiel die, wie sich die Muslimischen Gruppen dort organisieren. Aus der mehrjährigen Erfahrung des Schreibenden in Houston, TX wird anhand dieser Regionalorganisation dessen Arbeit erläutert.

Zum Grossraum Houston zählen um die 5 Mio. Einwohner, davon bekennen sich ca. 50’000 zum islamisch Glauben. Diese Muslime werden durch eine Regionale Organisation Vertreten. Sie nennt sich ISGH, Islamic Society of Greater Houston (www.isgh.org), und wurde 1968 gegründet. Die meisten Muslime in der Region Houston sind direkt Mitglied bei dieser Organisation, bezahlen dort einen Jahresbeitrag und haben natürlich ein passives und aktives Wahlrecht.
Durch die relativ grosse geographische Ausdehnung ist es nötig regionale Zentren zu unterhalten, dessen Mittelpunkt jeweils eine Moschee bildet. Diese Zentren werden jeweils von der ISGH finanziert und auch personell bestückt.
Weitere Vereine (abgesehen von sektiererischen Splitergruppen), welche sich zum Beispiel ethnisch oder nach Herkunft organisieren, sind mir nicht bekannt.
Die ISGH hat in erster Linie folgende Zielsetzungen:

• Stellen eine Plattform zur Verfügung für die Mobilisierung der Energie in die Wiederherstellung einer Islamischen Gesellschaft (als Teil der amerikanischen Gesellschaft) mit den Prinzipien von Koran und Sunnah

• Stellen eine Vielzahl von Dienstleistungen zur Zufriedenstellung von religiöser Ausbildung sowie soziale ökonomische und kulturelle Bedürfnisse.

Um diese Zielsetzungen zu erreichen wurden so bis jetzt ca. 16 in der Region verteilte Zentren aufgebaut 8 Moscheen (Eigenständige Gebäude für mehrere Hundert Gläubige,) sowie ca. 8 Musholas. In diesen Zentren werden natürlich alle üblichen Dienste einer Moschee angeboten. Die meisten Zentren gehen mit ihrem Angebot aber doch einiges weiter, so werden in 3 Moscheen Tagesschulen angeboten welche vom Kindergarten bis hin zur Highschool Vorbereitung reichen (in Vorbereitung sind 12 Schuljahre) und im weiteren auch Sonntagsschulen für jede Altersgruppe. Im Weiteren werden natürlich auch interessante Vorträge gehalten und arabisch Unterricht erteilt.

Sportanlässe in ihren eigenen Turnhallen Soziales Netzwerk um Not in den eigenen Reihen zu lindern.

Die Muslime In Houston haben es geschafft mit Zusammenarbeit und Fokussierung ihrer Kräfte eine starke Organisation aufzubauen, welche nicht nur von allen Islamischen Volksgruppen und Kulturkreisen akzeptiert und Unterstütz wird, sondern durch ihre Grösse natürlich auch von anderen Organisationen als gesellschaftliche sowie politische Kraft wahrgenommen wird.

Ein respektvolles nebeneinander der islamischen Gruppen wie wir es hier in der Schweiz kennen ist zwar ganz schön. Ein aktives Miteinander, wie oben beschrieben, würde den islamischen Prinzipien wohl besser gerecht werden und für mehr Kraft sorgen um viele der anstehenden Probleme anzugehen.

ErSp

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Erfolgsmodell Österreich

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Vom Neben- zum Mit- und Füreinander
Häupel: „Das ist euer Rathaus, eure Stadt, ihr seid Wien, ihr seid Wiener!“

Zunächst Unglauben, dann Bewunderung
und schliesslich Wehmut und tiefe Trauer, dies sind in etwa die Gefühle deutscher Muslime, wenn sie vom Umgang der Repräsentanten Österreichs mit ihren Muslimen und deren Organisationen erfahren.
Menschen aus aller Herren Länder, Türkei, Bosnien, Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Sudan, … Babylonisches Stimmengewirr, Frauen mit Kopftüchern, Männer mit Turbanen, bosnischem und türkischem Fez, marokkanischem Tarbusch, mit Anzügen, traditionellen Gewändern, mit Bärten und schwarzen Haaren, strömten Ende September kurz vor Einbruch der Dunkelheit ins Wiener Rathaus. Kurz darauf hallt es durch die altehrwürdigen Hallen des historischen Gemäuers “Allahu akbar, Allahu akbar, … haya ala-salat, …kommt zum Gebet, … Allah ist grösser, Allah ist grössr, …“.
Anders als im Nachbarland Deutschland war dies kein Anlass zur Absperrung der Innenstadt oder zum Einsatz eines “Anti-Muslime Sonderkommandos“, sondern der Auftakt eines besonderen Events.

Im historischen Wappensaal des Wiener Rathauses fand der traditionelle Iftar-Empfang des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Häupl für 200 muslimische Ehrengäste statt. Seidendamasttapeten, reich verzierte Edelholzdecken, Kristallluster, Wappentücher der österreichischen Landeshauptstädte bilden den würdevollen Rahmen. Ganz im Zeichen österreichischer Weltoffenheit gehörte zum Protokoll neben dem leiblichen Wohl
auch die spirituelle Seite.
So versammelten sich ganz selbstverständlich Muslime aus vielen Nationen symbolträchtig unter den Wappentüchern der neun österreichischen Bundesländer, auf den eigens dafür vorbereiteten dicken
Teppichen im kleinen Wappensaal zum Abendgebet.
“Willkommen in diesem schönen Haus, in eurem Rathaus, denn Wien ist auch eure Stadt“, begrüsste Bürgermeister Dr. Häupl anschliessend die Anwesenden. Trotz Wahlkampfstress liess er es sich nicht nehmen, mit seinen muslimischen Bürgern diesen Abend zu begehen. So feierlich wie beim Auftakt ging es weiter im Programm, dessen krönenden Abschluss ein speziell nach Halal-Standards vorbereitetes 5-Sterne-Menue für die Fastenden bildete. Zeitgleich zum Empfang des Bürgermeisters fand in den Räumen des Parlaments ein Iftar-Empfang beim Präsidenten des Nationalrates (Bundesrat) Dr. Andreas Khol statt, so dass manche muslimische Würdenträger die Qual der Wahl hatten, welcher Einladung sie folgen sollten.
Aber nicht nur politische Würdenträger, sondern auch andere Volksvertreter zeigten ihre Wertschätzung der Muslime in Österreich durch Iftar-Empfänge im Ramadan.
Auch bei der Arbeiterkammer (Gewerkschaft) Wien gab man sich beispielsweise die Ehre muslimische Gäste mit hochrangigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Tisch zu bitten.
Doch auch umgekehrt fand reger Austausch und Begegnung statt. Islamische Gemeinden luden sich gegenseitig zum Fastenbrechen in ihren Räumen ein und hochrangige Vertreter von Stadt und Land leisteten als Ehrengäste ganz selbstverständlich Folge. Von Kommunikationsverweigerung
und Berührungsängsten wie in manchen Nachbarländern keine Spur. So hielt Dr. Alfred Gusenbauer, Klubvorsitzender (Fraktionsvorsitzender) der SPÖ und nunmehr Bundeskanzlerkandidat, als Ehrengast in den Räumen der Österreichisch Islamischen Föderation eine Ansprache und sprach von der gemeinsamen Verantwortung aller BürgerInnen dieses Landes für Österreich.
Den Abschluss dieser neuen Tradition des Miteinanders bildete der festliche Id-ul-Fitr-Empfang beim Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer in der Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg.
Omar Al-Rawi, Wiener Gemeinderat (Landtagsabgeordneter): “Diese symbolträchtigen Zusammenkünfte haben mit Sicherheit nicht, wie manche Ewiggestrige zu wissen meinen, die Stadt Wien, sondern die Herzen der Muslime erobert und ihre Loyalität zu diesem Land verstärkt.“

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Integrations- oder Ignoranzgipfel?

Geschrieben von Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! (Faust Teil 1)

Im Juli 2006 fand in Berlin nach mehr als 50 Jahren Einwanderung der erste Integrationsgipfel in Deutschland statt. Was für die Betroffenen eher “der Tragödie erster Teil“ war, wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel als “fast historisches Ereignis“ gepriesen, mit deren Ergebnis sie “ausserordentlich zufrieden“ sei.

Waren die Erwartungen an dieses historische Ereignis im Vorfeld noch gross, sanken sie stetig je näher der Gipfel rückte und verstecken sich seither unter dem (Kopftuch-)Schleier der Vergessenheit. Eine Nachfrage beim Bundeskanzleramt, kurz vor der Islamkonferenz im September, was das Ergebnis des historischen Gipfels sei, wurde mit Verwunderung aufgenommen. “Er hat stattgefunden!“ Aber was ist dabei rausgekommen? “Man hat sich getrofffen!“ Wozu? “Da muss ich fragen, das ist so lange her“. Die Mehrheit der Betroffenen, die Muslime und die Islamischen Organisationen konnte die Euphorie über den Gipfel ohnehin nie teilen. Hatte man sie doch einfach übergangen. Zugelassen zur Entwicklung eines nationalen Aktionsplanes für Integration, so die Zielvorgabe des Gipfels, waren 86 Personen, mehrheitlich Nicht-Migranten: Bundesminister, Vertreter von Kommunen, Religionsgemeinschaften, Sozialpartner, Wohlfahrt, Sport, Medien, Wissenschaft und Stiftungen zu zwei Dritteln. Das magere restliche Drittel waren Betroffene, Vertreter von Migrantenorganisationen und sogenannte Einzelpersönlichkeiten mit Zuwanderungsbiografie, handverlesen vom Bundeskanzleramt nach Auswahlkriterien die ebenso mysteriös waren, wie die Begründungen schwammig.
Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist (Faust Teil 2)
Unter den 86 Geladenen waren die Muslime als Religionsgemeinschaft mit einer Person vertreten, die erst in letzter Sekunde zugelassen wurde. Ein Vertreter des türkischen Staatsislam erhielt den Zugang zu den “heiligen“ Hallen. Auch wenn die offizielle Version für den fast kompletten Ausschluss der Muslime lautete: Religiöse Fragen sollten erst bei der Islamkonferenz geklärt werden, war dies wenig glaubwürdig, da einerseits die Muslime die grösste Gruppe der Klientel stellen, über die verhandelt wurde und andererseits Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen sowie der orthodoxen und der jüdischen Gemeinden anwesend waren. So wird trotz aller Dementis beim Blick auf die Teilnehmerliste klar: Muslime sind in Deutschland keine Gesprächspartner für Politik, sondern sie sind Unmündige oder
aber eine Gefahr für den Weltfrieden, die in Terrordateien geheimdienstlich erfasst werden müssen. Den deutsch-sozialisierten Normalo-Muslim und seine Vertreter hat die deutsche Politik noch nicht entdeckt, da sie auf diesem Auge seit Jahrzehnten blind ist.

Man erinnert sich, dass deutsche Politiker seit Jahren die Kommunikation mit den Muslimen in Deutschland verweigern, weil sie nicht mit “Einzelpersonen“ und vor allem nicht mit “nicht-repräsentativen Islamischen Organisationen“ verhandeln könnten. Eben diese Politiker haben nun keine Probleme mehr damit, zum Gipfel ihrer historischen Integrationsposse “Einzelpersönlichkeiten“ zu laden, die für gar keine Gruppe sprechen, nein panisch den Kontakt zur islamischen community meiden, und diese “Null-Vertreter“ zudem zu bevollmächtigen, über die Belange der Muslime zu entscheiden.

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. (Faust Teil 1)
Wundergläubigkeit ist in der Tat gefragt, wenn man die Aussagen der Bundeskanzlerin nach dem Gipfel ernst nehmen will: “die Teilnehmer des Gipfels seien sich einig gewesen, miteinander und nicht übereinander zu sprechen“ und “Debatten hatte es im Vorfeld auch über die Auswahl der Teilnehmer gegeben. Diese Frage sei während des Gipfels ohne Aufgeregtheit behandelt worden. Es sei angedacht worden, inwieweit mit denen, die nicht dabei waren, die Kommunikation nochmals aufgenommen werden könne.“
Da die sechs Arbeitsgruppen, die den Integrationsplan erstellen, aus Teilnehmern des Integrationsgipfels bestehen, bleibt es beim “Denken an die Kommunikation“ mit denen, die nicht dabei waren. Ebenso ad acta gelegt wurde der Vorsatz “miteinander und nicht übereinander“ zu sprechen, denn wie sonst erklärt sich das grosse Schweigen der Bundeskanzlerin seit dem Gipfel. Auch beim Schwerpunkt der Integration, der laut Arbeitsminister Müntefering “dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit“ zukommt, ist für die Betroffenen neben Staunen vor allem Wundergläubigkeit angesagt. Denn Programme zur Eingliederung von Migranten in den Arbeitsmarkt müssen bei Muslimen so lange scheitern, wie der Ausschluss muslimischer Frauen vom Arbeitsmarkt per “Lex Kopftuch“ gesetzlich verankert bleibt, und mittels “gender-equality-program“ der (Anti-Muslime) “Terror-Datei“ zunehmend hochqualifizierte junge muslimische Männer Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

“Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ (Faust Teil 1)

Karola Khan

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