Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Integration und religiöse Identität der Muslimen in der Schweiz

Posted by Die Gemeinschaft - 10. Dezember, 2007

hho_5204_behloul100x0.jpg Interview mit Dr. Samuel Behloul, Universität Luzern. Dr. Samuel Behloul ist Assistent am Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern. Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Islam in der Geschichte, Diaspora- und Migrationsforschung mit besonderer Fokussierung auf Islam und Muslimen in der Schweiz.

Im folgenden Interview mit DG erzählt Dr. Behloul über das sehr aktuelle Thema der Integration und der religiösen Identität von Muslimen in der Schweiz:

DG: Im Rahmen Ihrer Forschung hier an der Universität Luzern haben Sie die Angelegenheit der religiösen Identität und ihren Einfluss auf der Integration in der breiteren Gesellschaft erforscht. Diese ist sicher eine interessante Perspektive, denn es scheint für viele Menschen ein Hindernis zur Integration, seine religiöse Identität zu beteuern. Was hat Ihre Forschung in dieser Hinsicht ergeben? Was ist Ihre Ansicht?

SB: Bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre spielte die Frage nach der Religionszugehörigkeit im Zuwanderungs- und Integrationsdiskurs keine herausragende Rolle. Der Grund dafür lag u.a. darin, dass unter Integration mehr oder weniger ein allmählicher Prozess der Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft verstanden wurde. In solch einem Deutungshorizont war für die Religion von Zuwanderern – unabhängig von ihrer jeweiligen Religionszugehörigkeit – automatisch derselbe Stellenwert vorgesehen, wie auch für das Christentum als traditionelle Religion der Aufnahmegesellschaft: Religion musste Privatsache bleiben. Als dann seitens der Zuwanderer immer lauter das Recht auf öffentlich sichtbare Differenz – das heisst auch religiöse Differenz – geltend gemacht wurde, geriet Religion rasch in den Verdacht, integrationshemmend zu wirken. Sie würde nämlich normative Zwänge ausüben, die mit dem Wertekodex moderner rechtlich-säkularen Demokratien nicht mehr kompatibel seien. In der Zeit nach dem 11. September 01 hat dieser Verdacht gegenüber Religion – insbesondere gegenüber Islam – einen Explizitheitsschub erfahren.Nun, generell gesehen, stellt Religion ein ambivalentes Phänomen dar. Religion wird von Menschen gelebt und gestaltet. Von Mensch zu Mensch oder von Gruppe zu Gruppe kann es deswegen unterschiedliche Formen religiöser Identifizierung geben. Unter bestimmten Umständen, z.B. wenn Migrantinnen und Migranten seitens einer Mehrheitsgesellschaft das Gefühl vermittelt wird, aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit nicht dazu zu gehören, kann Religion tatsächlich zur Abschottung eines Individuums oder einer Gruppen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft führen. Umgekehrt kann dieses Gefühl genauso konstruktive Interaktionsprozesse mit der Mehrheitsgesellschaft auslösen und so die Kommunikation mit den relevanten Faktoren der Gesellschaft fördern.Im Rahmen meiner Forschungen innerhalb muslimischer Communities in der Schweiz konnte ich gerade Letzteres beobachten. Ein Generalverdacht gegenüber Muslimen hat nicht zur Abschottung von Muslimen geführt. Mit zahlreichen Dialog- und Begegnungsinitiativen – sei es auf der Ebene der Dachvereine oder auf der Ebene ethno-spezifischer Moscheevereine – suchen Muslime in der Schweiz einen konstruktiven Dialog mit der Schweizerischen Gesellschaft, um auf diese Weise zu zeigen, dass man auch als Muslim oder Muslima ein loyaler Bürger sein kann.

DG: Laut der Medien gibt es einen allgemeinen Trend von Leuten, die auf der Suche nach ihrer religiösen Identität sind. Ist das auch ein Trend, den Sie feststellen konnten? Was hat dieses plötzliche Interesse in den letzten Jahrzehnten verursacht?

SB: Mit Blick auf die Entwicklung des Phänomens Religion lassen sich innerhalb westlicher Gesellschaften zwei gegenläufige Tendenzen: während sich einerseits viele gesellschaftliche Teilbereiche seit einigen Jahrzehnten immer mehr von religiösen (im Falle von Europa christlichen) Bezügen emanzipieren, wird die religiöse Szene andererseits immer pluraler und komplexer. Mit Blick auf ein quantitativ zunehmendes und qualitativ immer selbstbewussteres Auftreten von Religionsgemeinschaften (insbesondere von Muslimen) in der Öffentlichkeit ist sogar von einer Wiederkehr, bzw. Renaissance des Religiösen die Rede. Von einem wieder erstarkten Interesse am Religiösen – sei es auf individueller oder gesellschafts-politischer Ebene – kann man tatsächlich sprechen. Diese Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Interesse an Religiösem sich genauso vielfältig gestaltet, wie auch die religiöse Landschaft vielfältig geworden ist. Generell lässt sich sicherlich die Suche nach dem Sinn und das Bedürfnis nach klarer Orientierung und und nach Zugehörigkeit in einer immer komplexeren Gesellschaft als ein wichtiger Grund für eine erneute Zuwendung zur Religion nennen.

DG: Wie kann die Beteuerung der eigenen religiösen Identität den Integrationsprozess in der breiteren Gesellschaft verstärken?

SB: In zahlreichen sozial- und religionswissenschaftlichen Feldstudien der letzten Jahre konnte elaboriert werden, dass Religion tatsächlich eine wichtige integrationsfördernde Rolle spielen kann. Das Vorhanden von Sprachkenntnissen, von Ausbildung und Beruf sind zwar unumgänglich für einen gelingenden Integrationsprozess. Allein für sich genommen sind sie aber noch kein Garant einer gelungenen Integration. Denn gerade in einer plural gestalteten Gesellschaft kann das Bewusstsein, zu wissen, wer man ist und wohin man gehört, im Integrationsprozess eine zentrale Rolle spielen. Neben den ethnischen, nationalen und kulturellen sind es auch religiöse Identifizierungen, welche einen wesentlichen Bestandteil dieses Identitätsbewusstseins einer Person ausmachen können. Deswegen ist die Einsicht wichtig, dass für Migranten und deren Nachkommen die Intergration zunehmend auch das Recht bedeutet, anders zu sein – auch in religiöser Hinsicht. Schon vor einigen Jahren hat der Staatsrechtler Walter Kälin zurecht darauf hingewiesen, dass jemand der Kopftuch trägt oder an einem anderen Tag betet als dem Sonntag nicht nur in Schule und im Berufsleben erfolgreich sein kann, sondern sich diesen Herausforderungen möglicherweise noch besser zu stellen vermag, wenn er weiss wohin er gehört, als wer Identität und Werte bezogen entwurzelt ist.

DG: Diese Suche nach der religiösen Identität ist eine individuelle Erfahrung, und wie viele individuellen Erfahrungen, kann diese zu verschiedenen Richtungen führen. Könnte dies, in einigen Fällen, zu einem anti-sozialen, extremen und isolationistischem Verhalten führen? Was könnten diese Fallen sein? Sollte man Individuen in ihrer Suche leiten oder unterstützen? Was können die etablierten religiösen Gemeinschaften tun, in diesem Prozess zu helfen?

SB: Wenn eine Person oder auch Gruppe permanent sozialer Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft begegnet, dann kann diese Erfahrung unter Umständen dazu führen, dass man gerade in der Religion als normativem Zeichen- und Symbolsystem Zuflucht sucht und zunehmend auf Distanz zu der Gesellschaft geht, in der man lebt – bis hin zu der völligen Abschottung. Etablierte Religionsgemeinschaften, vor allem ihre Autoritäten, können hier eine wichtige Berater- und Vermittlerrolle spielen. Wichtig dabei ist, dass solche Autoritäten selbst dazu fähig sind, zeitgemässe Interpretationen von religiösen Inhalten zu leisten und auf die Notwendigkeit von solchen Interpretationen immer wieder hinzuweisen. Es ist erfreulich zu beobachten, dass beispielsweise bei Verständigungs- und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen muslimischen Individuen und den Behörden – allen voran Schulen – gerade Imame immer öfter wichtige religiös-kulturelle Vermittlerdienste leisten.

DG: Wie sehen Sie die Entwicklung und die Situation der muslimischen Gemeinschaft in Luzern, in Bezug auf ihre religiöse Identität und ihrer Integration in der breiten schweizerischen Gesellschaft?

SB: Im Rahmen meiner bisherigen Feldforschungen innerhalb muslimischer Migrantenmillieus in der Schweiz konnte ich hinsichtlich religiöser Identifizierung feststellen, dass es unter muslimisch geprägten Migranten und deren Nachkommen in der Schweiz einen äusserst individuellen und pragmatischen Umgang mit religiösen Normen und Vorschriften des Islam gibt. Das Gefühl und auch der Stolz Muslim zu sein sind vor allem bei vielen jungen Leuten, die ich gesprochen habe, stark ausgeprägt. Das muslimische Gemeindeleben im Kanton Luzern ist in vielerlei Hinsicht interessant. Einerseits kann man hier auf einem begrenzten Raum die ganze kulturelle und hekunftsspezifische Vielfalt und Reichtum der islamischen Religion hautnah erleben und natürlich auch erforschen. Andererseits ist auch eine bemerkenswerte über Sprach- und Kulturgrenzen hinausgehende Solidarität und Zusammenarbeit unter Luzerner Muslimen zu beobachten. Dies manifestiert sich nach Aussen hin in zahlreichen Dialog-, Begegnungs- und Diskurssionsinitiativen, die schon seit einigen Jahren auf der Dachvereinsebene von engagierten muslimischen Frauen und Männern unternommen werden und immer neue Kommunikationsräume mit den wichtigen Faktoren der Mehrheitsgesellschaft – von den Behörden, politischen Parteien über Kirchen bis hin zu den wissenschaftlichen Einrichtungen – schaffen. Mit Blick auf die mögliche zukünftige Entwicklung muslimischen Lebens – sowohl im Kanton Luzern, wie auch schweizweit – ist unter den jungen Muslimen schon jetzt die Tendenz erkennbar, den sozio-kulturellen und gesellschafts-politischen Kontext der Schweiz für die eigene religiöse Identität als zunehmend mitbestimmend zu erkennen und zu akzeptieren. Die Art und Weise wie sich das muslimische Leben im Kanton Luzern entwickelt kann meines Erachtens in vielerlei Hinsicht als paradigmatisch für einen sich viel versprechend entwickelnden Eingliederungsprozess des Islam in die Schweizer Gesellschaft als zukünftig wichtiger und relevanter öffentlicher Faktor angesehen werden.

YuSa

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FIDS – Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz

Posted by Die Gemeinschaft - 30. Oktober, 2007

Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz FIDS

Nach langer Vorarbeit gelang es vielen islamischen Dachverbänden in der Schweiz, die „Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz mit der Kurzbezeichnung FIDS“ am 30. April 2006 zu gründen und offiziell zu verkünden.

Zu den Gründungsmitgliedern der Föderation „FIDS“ zählen die folgenden Dachorganisationen:
* Albanisch Islamischer Verband (AIV)
* Communita Islamica nel Canton Ticino (CICT)
* Dachorganisation der Islamischen Glaubensgemeinschaften Ostschweiz (DIGO)
* Islamische Gemeinschaft Bosniaken (IGB)
* Ligue des Musulmans de Suisse (LMS)
* Schweizerische Islamische Glaubensgemeinschaft (SIG)
* Union des Associations Musulmanes de Fribourg (UAMF)
* Union Vaudoise des Associations Musulmanes (UVAM)
* Verband Aargauer Muslime (VAM)
* Vereinigung der Islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL)

Alle diese Dachorganisationen repräsentieren mehr als 130 multiethnische islamische Vereine und Zentren in den Schweizer, Albaner, Araber, Bosnier, Türken, Afrikaner und solche Muslime aus Südostasien anzutreffen sind. Sie sind in 16 Kantonen der Schweiz präsent und in allen 4 Sprachregionen der Schweiz vertreten

Die FIDS ist angetreten um unter anderem auch Folgendes zu erzielen:

– Förderung des sachlichen Dialogs interreligiös wie interkulturell
– Förderung des religiösen Friedens in der Schweiz
– Förderung der aktiven und friedlichen Integration der Muslime in der Schweiz.
– Repräsentation der Dachverbände und ihrer Anliegen gegenüber den Bundes, kantonal- und
kommunal- Behörden sowie gegenüber den anerkannten Institutionen in der Schweiz
– Bildung einer konstruktiven Beziehung zur Schweizer Gesellschaft
– Förderung inner und inter-islamischer Beziehungen. Die Föderation bekräftigt hier, dass sich
ein jeder weiterer islamischer Dachverband in der Schweiz zu jeder Zeit anschliessen kann.

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Zum Präsidenten der FIDS wurde Dr. Hisham Maizar, amtierender DIGO- Präsident gewählt.»
Die FIDS ist durch ihren Präsidenten im «Schweizerischen Rat der Religionen / Swiss Council of Religions (SCR)» vertreten. Dieser Rat besteht seit 15. Mai 2006
Dr. H. M.

Zur Person:

Dr. H. Maizar:
In Jerusalem geboren und aufgewachsen. Studien der Slawistik und Medizin in Sarajevo, Heidelberg . Promotion zum Dr. med. in Innsbruck.
Seit 1967 in der Schweiz.
Aktuelle Tätigkeit: in der eigen Arztpraxis in Roggwil/TG

Funktionen:
Präsident DIGO( Dachverband islam.Gedmeinden der Ostschweiz)
Präsident FIDS: seit 30.04. 2006. Als solcher gleichzeitig Mitglied des Schweizerischen Rats der Religionen in Bern.

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Buchbesprechung – Stadtführer Luzern

Posted by Die Gemeinschaft - 25. Oktober, 2007

Stadtführer Luzern

Die Verfasser dieser informative Stadtführer beschreiben geschickt mit elf detaillierten Rundgängen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Luzerns. Zahlreiche meist farbige Abbildungen laden ein, beim nächsten Gang durch die Stadt, kurz stehen zu bleiben und die bis jetzt noch nicht entdeckten Sehenswürdigkeiten genauer anzusehen.
Überall in dem Buch findet man die lebendigen Erzählungen aus Vergangenheit, die Luzern als historisch gewachsenen, kulturell und gesellschaftlich lebendigen Ort präsentieren. Die fast 1000 Jahre alte Geschichte des Luzerns wurde kurz, prägnant und zum teil humorvoll erzählt.
In dem Serviceteil des Buches befinden sich die Adressen und Informationen zur touristischen Infrastruktur und zum vielfältigen kulturellen Angebot des Luzerns.
Der Leiter der Herausgebergruppe Jörg Stadelmann in seiner Einleitung zu diesem Handbuch hat gut bemerkt; „Stadtführer Luzern“ ist eine handliche Orientierungshilfe für die Reise durch Raum und Zeit dieser ausstrahlenden Kulturmetropole.
Neben neugierigen Besucherinnen und entdeckungsfreudigen Stadtwanderern ist dieser Stadtführer auch allen in Luzern eingezogenen Ausländern zu empfehlen. Das Buch erzählt über Bündnisse (z.B. mit Österreicher) und Verschwörungen, über Konflikten zwischen diversen Religionen (Katholisch und Reformiert) wie auch über vielen Einwanderern (Italiener) die Geschichte des Luzerns geprägt haben. Genau diese bunte Vergangenheit machte diese Stadt so originell und einzigartig. Die in Luzern lebenden Ausländerinnen können etwas mehr über stolzen Einwohner wie auch über Facettenreiche Kultur des Luzerns lernen und dadurch den Integrationsprozess positiv beeinflussen.

Wer weiss, vielleicht werden die zukünftige Auflagen dieses Stadtführers bald auch etwas über Islam und Muslime des Luzerns berichten können.

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Stadtführer Luzern
von Paul Rosenkranz, Mathias Steinmann, Lisa Fuchs, Dominik Hertach
Werd Verlag Zürich, 2. Auflage 2002
235 Seiten
ISBN: 3-85932-323-9; CHF 29.90

Das Buch kann in allen Buchhandlungen oder über Internet bestellt werden.

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IFL – Blicke in den Aktivitäten des Islamischen Frauenvereins Luzern

Posted by Die Gemeinschaft - 17. Oktober, 2007

Blicke in den Aktivitäten des Islamischen Frauenvereins Luzern
Wer hört nicht gerne, wenn Kinder islamische Lieder singen oder aus dem Quran rezitieren?
Es war eine Premiere für die jungen Mädchen, die nun ihre viele Proben als gelungener Auftritt vorstellen durften.

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Alle Frauen und Kinder waren begeistert. Insch’Allah dürfen wir uns auf weitere Auftritte freuen. Bei einem weiteren Treff lud der IFL Frau Sabanovic ein für einen Vortrag und um Tipps zu verraten zur gesunden Ernährung anhand einiger Beispiele aus dem Quran und Hadithen.
Die Referentin Fadila Sabanovic als diplomierte und praktizierende Therapeutin in Traditionell Chinesicher Medizin (TCM) erläuterte das Thema Ernährung aus Sicht der TCM. Auch die Lehre
im Quran und den Hadith wurden erwähnt. Im Anschluss konnten einige gesunde, vollwertige Produkte gesehen werden und natürlich wurden viele Fragen an die Expertin gestellt.
Bei einem ebenso interessanten Treff berichteten zwei schweizerische Schwestern auf berührende Art und Weise ihre ganz persönliche Geschichte, wie sie Muslima wurden, ihren „Weg zum Islam“.

Der IFL bemüht sich, die Treffs so zu gestalten, dass während des Jahres für jede Schwester etwas dabei ist. Der Frauenverein wünscht sich, muslimischen Frauen aller Nationalitäten zusammen zu bringen, um sich kennen zu lernen, um Themen und Problemen zu besprechen, sich gegenseitig zu unterstützen, über die Erziehung der Kinder zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Um die Beziehungen der Frauen zu stärken und die muslimischen Frauen zu dienen, plant der IFL jährlich Vereinspicknicks- und ausflüge, ein gemeinsames Iftar in Ramadan, einen islamischen Kleiderverkauf, usw. Einen weiteren wichtigen Wunsch ist ein jährliches Lager für Mädchen zu organisieren.
Selbstverständlich ist die Sprache Deutsch, doch es gibt während des Treffs immer Schwestern, die anderen Schwestern übersetzen. Es würde den IFL sehr freuen, wenn wieder mehr Interesse am IFL gezeigt wird. Auch neue Mitglieder sind immer willkommen.

An dieser Stelle möchten wir noch berichten, dass in den 2 vergangen Monaten 2 Schwestern zum Islam konvertiert haben, alhamdulillah. Eine Schweizerin und ein Bosnierin. Der IFL hat beide während der „Schahada“ begleitet.
Die Frauen des IFLs hoffen auf weitere spannende Treffen, die die Bedürfnisse und Wünsche der muslimischen Frauen erfüllen können. Also meldet euch auch beim IFL!

IFL
Postfach 1330
6010 Kriens
Email: ifluzern@hotmail.com

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Buchbesprechung: Die kostbare Perle im Wissen des Jenseits

Posted by Die Gemeinschaft - 13. Oktober, 2007

Der Prophet, Sallallahu Alaihi wa Sallam, hat sinngemäss gesagt: „Die Menschen befinden sich nurim Schlaf; und wenn sie sterben, dann wachen sie auf.“

Abu Hamid al-Ghazali (1058-1111), einer der grössten Gelehrten des Islams überhaupt, beschreibt im Buch „Die kostbare Perle im Wissen des Jenseits“ dieses Aufwachen, den Tod, und die Reise der Seele danach. Es folgen detaillierte Beschreibungen der Zeit im Grab, der Befragung darin, und der Geschehnisse des Jüngsten Tages.
Hinweise auf das Leben nach dem Tod und die Welt des Verborgenen finden sich über den gesamten Qur’an und die Überlieferungen unseres Propheten verstreut, Sallallahu Alaihi wa Sallam. Al-Ghazali hat diese Hinweise zusammengetragen und in ein ergreifendes Buch verpackt.

„…Darauf gestalten sie (die Engel) das Grab über ihm (dem Toten) zu einer mächtigen Kuppel und öffnen ihm das Tor zum Paradies nach seiner rechten Seite hin … auch kommen seine guten Taten zu ihm in der Gestalt der ihm liebsten Personen, die gesellig mit ihm sprechen und ihm erzählen. Sein Grab ist erfüllt mit Licht; und er ist fortwährend in Freude und Frohsinn, so lange die Welt dauert, bis die Stunde des Gerichts anhebt. Er fragt auch wohl, wann die Stunde anhebt, doch wird ihm nichts lieber sein als ihr Anheben.“

Das Buch hilft einem, für einen Moment inne zu halten und sich zu fragen, was im Leben wichtig ist, und was Zeitverschwendung ist. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der sich auf den Weg in Allahs Nähe machen möchte, der seine Gebete intensiver erleben möchte. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der möchte, dass sein Leben mehr ist als nur Spiel und Zeitvertreib, so wie Allah es uns in Sura al-Hadid in der Ayat 20 erklärt.

„Wisst, dass das diesseitige Leben doch nur Vergnügen, Ablenkung, Schmuck, Wichtigtuerei unter euch und Vermehrung an Vermögen und Kindern ist. Es gleicht reichlichem Regen, dessen Pflanzenwuchs den Bauern gefällt. Dann vertrocknet der Pflanzenwuchs, und du siehst ihn gelb werden, dann wird er Zermalmtes, und im Jenseits gibt es harte Peinigung und Vergebung von Allah und Wohlgefallen. Doch das diesseitige Leben ist nichts ausser Verbrauchsgut der Täuschung.“
(Qur’an 57:20)

Abu Hamid al-Ghazali, Die kostbare Perle im Wissen des Jenseits, Spohr Verlag Kandern, ISBN3-927606-47-2, CHF 15.-

Das Buch kann über die Islamische Bibliothek bezogen werden: www.islamischebibliothek.ch

RaFu

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USA als Vorbild?

Posted by Die Gemeinschaft - 29. August, 2007

USA als Vorbild?

Diese Frage dürfte hier in Schweiz wohl wenige Personen mit einem uneingeschränkten “ja” beantworten.
Es gibt aber durchaus Punkte in USA, welche auch für uns Muslime in der Schweiz durchaus Vorbildcharakter haben kann. So zum Beispiel die, wie sich die Muslimischen Gruppen dort organisieren. Aus der mehrjährigen Erfahrung des Schreibenden in Houston, TX wird anhand dieser Regionalorganisation dessen Arbeit erläutert.

Zum Grossraum Houston zählen um die 5 Mio. Einwohner, davon bekennen sich ca. 50’000 zum islamisch Glauben. Diese Muslime werden durch eine Regionale Organisation Vertreten. Sie nennt sich ISGH, Islamic Society of Greater Houston (www.isgh.org), und wurde 1968 gegründet. Die meisten Muslime in der Region Houston sind direkt Mitglied bei dieser Organisation, bezahlen dort einen Jahresbeitrag und haben natürlich ein passives und aktives Wahlrecht.
Durch die relativ grosse geographische Ausdehnung ist es nötig regionale Zentren zu unterhalten, dessen Mittelpunkt jeweils eine Moschee bildet. Diese Zentren werden jeweils von der ISGH finanziert und auch personell bestückt.
Weitere Vereine (abgesehen von sektiererischen Splitergruppen), welche sich zum Beispiel ethnisch oder nach Herkunft organisieren, sind mir nicht bekannt.
Die ISGH hat in erster Linie folgende Zielsetzungen:

• Stellen eine Plattform zur Verfügung für die Mobilisierung der Energie in die Wiederherstellung einer Islamischen Gesellschaft (als Teil der amerikanischen Gesellschaft) mit den Prinzipien von Koran und Sunnah

• Stellen eine Vielzahl von Dienstleistungen zur Zufriedenstellung von religiöser Ausbildung sowie soziale ökonomische und kulturelle Bedürfnisse.

Um diese Zielsetzungen zu erreichen wurden so bis jetzt ca. 16 in der Region verteilte Zentren aufgebaut 8 Moscheen (Eigenständige Gebäude für mehrere Hundert Gläubige,) sowie ca. 8 Musholas. In diesen Zentren werden natürlich alle üblichen Dienste einer Moschee angeboten. Die meisten Zentren gehen mit ihrem Angebot aber doch einiges weiter, so werden in 3 Moscheen Tagesschulen angeboten welche vom Kindergarten bis hin zur Highschool Vorbereitung reichen (in Vorbereitung sind 12 Schuljahre) und im weiteren auch Sonntagsschulen für jede Altersgruppe. Im Weiteren werden natürlich auch interessante Vorträge gehalten und arabisch Unterricht erteilt.

Sportanlässe in ihren eigenen Turnhallen Soziales Netzwerk um Not in den eigenen Reihen zu lindern.

Die Muslime In Houston haben es geschafft mit Zusammenarbeit und Fokussierung ihrer Kräfte eine starke Organisation aufzubauen, welche nicht nur von allen Islamischen Volksgruppen und Kulturkreisen akzeptiert und Unterstütz wird, sondern durch ihre Grösse natürlich auch von anderen Organisationen als gesellschaftliche sowie politische Kraft wahrgenommen wird.

Ein respektvolles nebeneinander der islamischen Gruppen wie wir es hier in der Schweiz kennen ist zwar ganz schön. Ein aktives Miteinander, wie oben beschrieben, würde den islamischen Prinzipien wohl besser gerecht werden und für mehr Kraft sorgen um viele der anstehenden Probleme anzugehen.

ErSp

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Iftar mit “Jugendliche Dzemat Luzern”

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Iftar

Jeden Ramadan treffen sich junge Muslime in der bosnischen Moschee Emmenbrücke um gemeinsam das Fastenbrechen (Iftar) zu begehen. Dieses Jahr trafen sich die Jugendlichen verschiedenster Gemeinschaften aus der ganzen Schweiz am 7. Oktober 2006. Nach dem Iftar wurde gemeinsam das Abendgebet (Maghrib) verrichtet und anschliessend wurde in einer gemütlichen Runde Kaffe getrunken. Da ODL über einen eigenen Aufenthaltsraum verfügt, war es den Jugendlichen möglich nach dem Nacht- bzw. Tarawih-Gebet den Abend ausklingen zu lassen und nach Lust und Laune bis in die Nacht hinein zusammen zu sitzen. Den Jugendlichen vom bosnischen Verein bereitet es grosse Freude, solche Grossveranstaltungen zu organisieren. Durch die Mithilfe aller Mitglieder von ODL (Jugendliche Dzemat Luzern) bereitet es auch keinerlei Umstände bei solchen Events mehr als 250 Gäste einzuladen und ihnen ein guter Gastgeber zu sein.

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Gedanken über Gesunde Ernährung

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Wie gesund ernähren wir uns?
Wie man sich gesund ernährt, ist kein Geheimnis und eigentlich wüssten wir alle wie es geht. In unserer schnelllebigen Zeit ist die Aussage “Keine Zeit für gesunde Ernährung“ jedoch eine willkommene Ausrede (dabei könnte man vom Propheten Muhammed [sas] so gut lernen, wie man seine Zeit richtig einteilen kann) und auch das Angebot der Nahrungsmittelindustrie hat derart zugenommen, dass wir als Konsumenten den Überblick verloren haben.

“Welche Krankheit hast du denn?“ – “Ich leide an Überernährung!“
Die Bevölkerung der westlichen Welt leidet an einem Überangebot an (falscher) Nahrung und ungesunden Essgewohnheiten. So ist heute Fettleibigkeit (Adipositas) eine der Hauptursachen für den lebensbedrohlichen Herzinfarkt, die Zuckerkrankheit (Diabetes), den Bluthochdruck (Hypertonie), die Arthritis und für bestimmte Krebsarten wie Brustkrebs. Sehr viele Krankheiten entstehen also durch Überernährung! Dagegen helfen eine einfache Lebensweise und eine bewusste Ernährung. Allah (t) mahnt uns: „… und esst und trinkt, aber seid nicht masslos, denn Er liebt nicht die Masslosen. (7:31)

Warum schaffen wir es bloss nicht, uns richtig zu ernähren?
Eigentlich aus einem ganz einfachen Grund: die Art wie wir arbeiten und unser Leben gestalten, hat sich verändert; Maschinen und Computer erleichtern die Ausführungen von Aufgaben, die früher noch körperliche Anstrengungen erforderten. Ein Beispiel sind die Traktoren, die heutzutage zum Teil den Bauern die körperliche Arbeit abnehmen. Ein Büroangestellter, der sich nicht regelmässig bewegt, hat einen derart niederen Energiebedarf, dass sich Raclette, Teigwaren usw. an Bauch und Hüften festsetzen. Auch das magische Wort “keine Zeit“ macht es möglich, dass wir – auch wenn wir eigentlich Zeit hätten- wirklich keine Zeit dafür nutzen, gesund zu kochen. Dabei wäre es doch so einfach! Was wäre, wenn ein Tag nur 12 Stunden hätte? Macht euch doch mal darüber Gedanken… Wir haben unserem Schöpfer sehr viel zu verdanken.

Der Diätwahn
Kampf den überschüssigen Kilos – in nur zehn Tagen leichter werden – Diätpillen: nehmen Sie ab ohne Sport zu treiben!
Solche Titel können uns schnell mal hinters Licht führen, denn in Wirklichkeit ist der Effekt ein ganz anderer. Abnehmen beginnt nämlich nicht im Magen, sondern im Kopf. Wenn sich das Hirn noch nicht auf abnehmen “umgeschaltet“ hat, dann wird sich der Magen wohl kaum bemühen. Das Abnehmen ist nichts anders als die Ernährung umzustellen. Das Schlüsselwort ist also nicht hungern, sondern richtig essen.
Bereits Millionen von Menschen haben schon mit Diäten versucht, ihr körperliches Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Realität jedoch ist ernüchternd: lediglich eine von zehn Personen kann nach einer Diät das mühsam reduzierte Gewicht halten. Es lohnt sich also nicht mit einer Diät zu beginnen! Sagt lieber, ich beginne ab morgen mit der richtigen Ernährung! Das klingt viel besser und hat zudem einen wesentlichen stärkeren Einfluss auf unser Hirn.

Der Prophet Muhammed (sas) hat gesagt: “Der Mensch füllt kein schlechteres Gefäss als seinen Bauch. Einige Bissen genügen dem Sohn Adams, um seinen Rücken aufrecht zu halten. Aber wenn das nicht möglich ist, dann soll ein Drittel des Magens für sein Essen, ein Drittel für sein Trinken und ein Drittel für sein freies Atem vorbehalten sein.“ (Tirmidhi)

Einige Tipps, sich besser zu ernähren:

1. Entspannt essen
Achten Sie darauf, in aller Ruhe zu essen, also das Essen nicht herunter zu schlingen. Ihr Körper braucht 20 Minuten, um Ihrem Hirn mitzuteilen, dass er gesättigt ist. Also langsam essen und geniessen!
Und vergessen Sie nicht, dass auch das Auge mit isst. Achten Sie also auf einen schön gedeckten Tisch*, z.B. mit Kerzenlicht oder Blumen. Beruhigen Sie nicht nur Ihren Magen, sondern auch Ihre Seele. Essen Sie lieber gemeinsam mit anderen als allein, denn in der Gemeinschaft liegt ein Segen. So wird das Essen zum bewussten Akt.
2. Bewegung
Nutzen Sie jede Gelegenheit Sport zu treiben. Nehmen Sie z.B. statt dem Lift die Treppe oder steigen Sie ein paar Stationen vor dem eigentlichen Ziel aus dem Bus und gehen die restliche Strecke! Benützen Sie in der Stadt kein Auto, sondern gehen Sie zu Fuss.
Täglich 30 Minuten Bewegung sind optimal, um sich eine gesunde Basis zu erarbeiten. Wichtig ist, dass man den eigenen Körper nicht allzu sehr überanstrengt. Hören Sie deshalb auf die Signale Ihres Körpers und passen Sie die Aktivitäten entsprechend an!

3. Gesunde Snacks für Zwischendurch
Es ist ganz wichtig, jeden Tag viele Früchte, sowie viel Gemüse und Getreide zu essen. Der Prophet Muhammed (sas) hat gesagt: “In drei Dingen liegt ein Segen; in einem frühen Frühstück, im Brot und in der Suppe.“ Fünf Portionen pro Tag wären optimal, aber eine Frucht ist immer noch besser als keine! Achten Sie darauf, dass sie die Früchte vor Genuss waschen und dann ungeschält essen.

4. Flüssigkeit
Der menschliche Körper besteht zu rund 80% aus Wasser. Es ist deshalb nicht zu unterschätzen, den Körper mit Wasser zu “erfrischen“. Denn das Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Bereits nach
2 – 4 Tagen ohne Wasser kommt es zur Bluteindickung und damit zum Kreislaufversagen. Ein Flüssigkeitsverlust von zehn Prozent des Körpergewichts führt zu Schwindel, Schwäche bis hin zur Bewusstlosigkeit. Es ist nicht richtig erst zu trinken, wenn man Durst verspürt, denn dann ist es bereits zu spät. Durst ist ein Alarmsignal des Körpers und man sollte es gar nicht soweit kommen lassen. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit ist der Tagesbedarf. Mit Flüssigkeit sind selbstverständlich keine Süssgetränke gemeint! Optimal sind Trink- und Mineralwasser sowie ungezuckerte Früchte- und Kräutertees. Die Aufnahme von genügend Flüssigkeit hilft dem Körper, Schadstoffe auszuscheiden. Ein kleiner Tipp: probieren Sie, wenn immer möglich, eine Flasche Wasser in Ihrer Nähe zu haben, denn nur schon das Sehen der Flasche genügt um einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen. Getrunken werden sollte, wie es der Prophet Muhammed (sas) immer wieder erwähnte, im Sitzen. Falls das Wassertrinken eine Qual für Sie ist, dann probieren Sie doch jeweils etwas Salziges zu essen und damit automatisch das Bedürfnis nach Wasser auszulösen. Es gilt zudem auch als Sunna, das Essen mit der Einnahme von Salz zu beginnen und zu beenden. Der Prophet (sas) sagte einmal zu Ali: “Beginn dein Essen mit Salz und beende es damit, denn Salz beugt 70 verschiedene Krankheiten vor…“ Schon wenn man eine kleine Menge Salz vor dem Essen zu sich nimmt, kann jeder Mangel an Salzsäure im Magen ausgeglichen werden. Am Besten ist unraffiniertes Meersalz (= Kochsalz).

Es ist doch nicht schwierig sich richtig zu ernähren, oder? Das Problem ist, dass wir gewisse klassische Wörter auswendig lernen, bis sie mal wirklich Realität werden. Z.B.: “Ich bin im Stress!“ oder wie auch schon oben erwähnt “Ich habe keine Zeit!“
Probieren Sie wenn möglich, diese Sätze aus ihrem “Vokabular“ zu streichen und zwar jeden Tag ein bisschen mehr. Denn denken Sie daran, wir wollen alle gesund sein. Und gesund sein beginnt im “Mund“! Auf die Frage wie es Ihnen geht, sind die schönsten Antworten: “Ich fühle mich fantastisch!“, “Mir geht es blendend!“ oder “Hauptsache ich bin gesund und deswegen geht es mir sehr gut!“

Zum Abschluss sagt uns ein schönes Sprichwort aus Russland: “Die Zeit beugt sich nicht zu dir; du musst dich ihr beugen.“

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Modeschau vom 5. November 2006 – organisiert durch IFL

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Modeschau: wer kennt das nicht? Schon ganz früh dienten Modeschauen zur Präsentation der Mode. Die Menschen werden dadurch informiert was zurzeit „in“ ist.

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Es ist kein Zufall, dass den Leuten, wenn man von einer Modeschau spricht, automatisch das Bild von auf einem Laufsteg laufende Models, eingepackt in wenig Stoff, entworfen von Designer wie Versace, Dior oder Joop, vor dem inneren Auge erscheint. Es käme einem nie in den Sinn, dass es sich bei den Models, um Models mit Kopftüchern handelt könnte. Genau das macht IFL aber möglich. Viele junge Frauen meldeten sich freiwillig als Models für die von Hatice Avci, jüngstes Mitglied von IFL, organisierte Modeschau.

Die für die Vorführung ausgewählten Kleider waren wunderschön. Die Kleiderstile unterschiedlich, so dass von sportlich bis elegant alles dabei war. Auch die Arten zum Binden von Kopftüchern waren ganz speziell, jedes einzelnen von ihnen ein kleines Kunstwerk. Erstaunlich!

Die Hintergrundmusik war vielleicht nicht von Britney Spears, aber dafür entführte uns die Musik aus dem früheren Osmanischen Reich zusammen mit den auf dem Boden verteilten Kerzen und verstreuten Rosen in die Zeit von 1001 Nacht.
Im letzten Jahr fand die Modeschau in der arabischen Moschee statt, dieses Jahr – zur Abwechslung und auch zum Dialog und Kontakt zu verschiedenen Kulturen – hat der Anlass in der türkischen Moschee Eyup stattgefunden.

Zum Schluss konnte man sich von dem leckeren Buffet mit internationalen Küche und dem türkischer Tee verführen lassen. Die Besucher waren begeistert! Alle hatten eine Menge Spass und schlossen viele neue Bekanntschaften, die man nicht so schnell vergessen wird.

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„Der SVP gehts nicht um Minarette“

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Die SVP stelle das Existenzrecht der Muslime in der Schweiz in Frage, kritisiert der Vize der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich.

Hatipoglu

Mit Hasan Taner Hatipoglu* sprach Timm Eugster

Eugster: Wie gross ist Ihr Bedürfnis, in Zürich eine richtige Moschee mit Minarett zu bauen?
Hatipoglu: Es wäre natürlich schön, wenn wir eine hätten! Eines unserer drei Hauptziele ist, ein islamisches Zentrum mit Moschee samt Minarett, Bibliothek, Studentenheim, Konferenzsälen und so weiter zu bauen. Doch zurzeit ist das Projekt nicht auf unserer Traktandenliste, weil es uns finanziell überfordert.
Eugster: Wieso ist das Minarett so wichtig?
Hatipoglu: Ein Minarett ist seit Jahrhunderten ein Bestandteil einer Moschee.
Eugster: Im Koran ist es nicht vorgeschrieben.
Hatipoglu: Ja, es ist keine Bedingung. Es ist nicht das Wichtigste, aber eine Moschee hat nun mal ein Minarett wie eine Kirche einen Turm. Aber der SVP geht es ja gar nicht eigentlich um die Minarette.
Eugster: Sondern?
Hatipoglu: Sie betreibt auf unsere Kosten Stimmenfängerei. Das vergiftet die Atmosphäre und erschwert unsere Dialogbemühungen. Und es bereitet den Nährboden zu einer Radikalisierung der hiesigen Muslime.
Eugster: Wie meinen Sie das?
Hatipoglu: Die Muslime sind ein Teil der Gesellschaft und versuchen, ihren Teil beizutragen. Die grosse Mehrheit begegnet Christen und Juden mit Respekt. Dies erhoffen wir uns auch. Aber leider machen wir oft ganz andere Erfahrungen.
Eugster: Können Sie Beispiele nennen?
Hatipoglu: Meine 22-jährige Tochter,
die ein Kopftuch trägt, wurde an der Bushaltestelle schon angesprochen: „Hey, wo ist Bin Laden?“ Derart geladen sind gewisse Leute schon wegen dieser muslimfeindlichen Propaganda! Andere junge Frauen werden im Bewerbungsgespräch vor die Wahl gestellt: „Entweder du legst das Kopftuch ab, oder du erhältst die Lehrstelle nicht.“
Eugster: Wie weit ist die Radikalisierung schon?
Hatipoglu: Die Leute haben das Gefühl, diese Gesellschaft werde uns nie akzeptieren, wir seien hier nicht willkommen. Dies behindert die Integration und fördert Abschottungstendenzen. Wohin das letztlich führt, das ist die Frage.
Eugster: Bis zur Sympathie für Terrorismus?
Hatipoglu: Wie ich das hiesige muslimische Umfeld kenne, würde ich nicht so weit gehen. Aber die Integration wird verhindert – und das ist schlimm genug: Man verkehrt nur noch in der engen Gemeinschaft. Diese Abschottung müssen wir verhindern.
Eugster: Was tun Sie denn dagegen?
Hatipoglu: Wir sagen unseren Leuten: „Wir Muslime sind jetzt zwar die Prügelknaben, aber das geht vorbei, wir müssen uns trotzdem öffnen und der Bevölkerung Rede und Antwort stehen.“ Gegenseitiger Respekt wäre ein gutes und effizientes Mittel gegen Rückzug und Radikalisierung. Vergangenes Jahr haben wir deshalb sogar die SVP-Führung um ein Gespräch gebeten.
Eugster: Was hat es gebracht?
Hatipoglu: Wir haben die SVP-Leute gefragt, wo eigentlich der Schuh drückt, wo konkret die Probleme sind und was wir auf unserer Seite ändern und verbessern könnten. Wir haben ganz konkret eine Zusammenarbeit angeboten. Aber leider blieb das Gespräch unverbindlich – und am Ende hiess es nett: „Gut, dass wir zusammen gesprochen haben!“ Und die Angriffe gingen weiter.
Eugster: Werden Sie erneut das Gespräch suchen?
Hatipoglu: Ich würde wieder mit der SVP an einen Tisch sitzen und ihr sogar zusichern, dass wir keine Moschee mit Minarett bauen werden – wenn sie im Gegenzug aufhören würde, uns Muslime anzugreifen. Ich möchte einfach wissen, wo es aufhört mit der Diskriminierung. Sonst hat das kein Ende, und irgendwann ist nicht nur das Kopftuch ein Problem, sondern dass Muslime Schuhe tragen, und übermorgen müssen wir ein Zeichen an den Armen tragen!
Eugster: Rechnen Sie damit, dass Sie mit der SVP eine Übereinkunft treffen können?
Hatipoglu: Nein – denn der SVP geht es letztlich darum, unser Existenzrecht in der Schweiz in Frage zu stellen.
Eugster: Das ist ein harter Vorwurf.
Hatipoglu: Ja, aber das ist leider mein Eindruck. Man spricht immer von den Ängsten der Mehrheitsgesellschaft, die ich sehr gut verstehen kann, aber die muslimische Minderheit hat ebenfalls grosse Ängste.
Eugster: Inwiefern verstehen Sie die Ängste der Schweizer Bevölkerung?
Hatipoglu: Wenn ich nicht selber ein Muslim wäre und die Muslime gut kennen würde, hätte ich auch Angst, wenn ich lesen würde, die Muslime wollten die Schweizer mit der Scharia unterjochen. Deshalb sage ich: Wenn ihr Fragen und Ängste habt, fragt uns direkt – und glaubt nicht der SVP. Aber leider erreichen wir die Leute zu wenig. Wenn wir einen Tag der offenen Tür organisieren, kommt fast niemand!
Eugster: In Ihrer Dachorganisation sind 40 islamische Zentren zusammengefasst, die sich vorab nach dem Herkunftsland der Gläubigen unterscheiden. Wird die islamische Gemeinschaft in 20 Jahren noch immer so zersplittert sein, wenn die meisten Muslime Schweizer sein werden?
Hatipoglu: Unser langfristiges Ziel ist es, von den ethnisch definierten Vereinen wegzukommen und demokratische Gemeindestrukturen zu bilden. Wir werden dafür mit den Landeskirchen ein Seminar abhalten und uns ihre Modelle anschauen, die sich in der föderalistischen Schweiz offenbar am besten bewährt haben. In den Moscheen würde dann, je nach Landesteil, Deutsch, Französisch oder Italienisch gesprochen. Dies würde die Integration fördern.
Eugster: Gibt es nicht dringendere Integrationsprobleme, die angepackt werden müssten – etwa Bildung, Sprachför-derung und die Gleichstellung der Frau?
Hatipoglu: Sicherlich – man soll das eine tun und das andere nicht lassen. Gute Kenntnisse der Landessprache sind eine Voraussetzung, damit wir die Gemeindestruktur umsetzen können. Bei uns sind zwei reine Frauenorganisationen Mitglied, vier Frauen sitzen im Vorstand. Trotzdem ist die Gleichberechtigung in der muslimischen Gemeinschaft noch weniger verwirklicht als in der Schweizer Mehrheitsgesellschaft. Dies hat aber eher mit den teilweise archaischen Verhältnissen in den Herkunftsländern der Leute zu tun als mit dem Islam.

* Hasan Taner Hatipoglu (50) ist Vizepräsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz). Er ist in der Türkei geboren, hat an der ETH Zürich studiert und arbeitet heute bei einer Zürcher Grossbank als Informatiker.

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