Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Erfolgsmodell Österreich

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Vom Neben- zum Mit- und Füreinander
Häupel: „Das ist euer Rathaus, eure Stadt, ihr seid Wien, ihr seid Wiener!“

Zunächst Unglauben, dann Bewunderung
und schliesslich Wehmut und tiefe Trauer, dies sind in etwa die Gefühle deutscher Muslime, wenn sie vom Umgang der Repräsentanten Österreichs mit ihren Muslimen und deren Organisationen erfahren.
Menschen aus aller Herren Länder, Türkei, Bosnien, Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Sudan, … Babylonisches Stimmengewirr, Frauen mit Kopftüchern, Männer mit Turbanen, bosnischem und türkischem Fez, marokkanischem Tarbusch, mit Anzügen, traditionellen Gewändern, mit Bärten und schwarzen Haaren, strömten Ende September kurz vor Einbruch der Dunkelheit ins Wiener Rathaus. Kurz darauf hallt es durch die altehrwürdigen Hallen des historischen Gemäuers “Allahu akbar, Allahu akbar, … haya ala-salat, …kommt zum Gebet, … Allah ist grösser, Allah ist grössr, …“.
Anders als im Nachbarland Deutschland war dies kein Anlass zur Absperrung der Innenstadt oder zum Einsatz eines “Anti-Muslime Sonderkommandos“, sondern der Auftakt eines besonderen Events.

Im historischen Wappensaal des Wiener Rathauses fand der traditionelle Iftar-Empfang des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Häupl für 200 muslimische Ehrengäste statt. Seidendamasttapeten, reich verzierte Edelholzdecken, Kristallluster, Wappentücher der österreichischen Landeshauptstädte bilden den würdevollen Rahmen. Ganz im Zeichen österreichischer Weltoffenheit gehörte zum Protokoll neben dem leiblichen Wohl
auch die spirituelle Seite.
So versammelten sich ganz selbstverständlich Muslime aus vielen Nationen symbolträchtig unter den Wappentüchern der neun österreichischen Bundesländer, auf den eigens dafür vorbereiteten dicken
Teppichen im kleinen Wappensaal zum Abendgebet.
“Willkommen in diesem schönen Haus, in eurem Rathaus, denn Wien ist auch eure Stadt“, begrüsste Bürgermeister Dr. Häupl anschliessend die Anwesenden. Trotz Wahlkampfstress liess er es sich nicht nehmen, mit seinen muslimischen Bürgern diesen Abend zu begehen. So feierlich wie beim Auftakt ging es weiter im Programm, dessen krönenden Abschluss ein speziell nach Halal-Standards vorbereitetes 5-Sterne-Menue für die Fastenden bildete. Zeitgleich zum Empfang des Bürgermeisters fand in den Räumen des Parlaments ein Iftar-Empfang beim Präsidenten des Nationalrates (Bundesrat) Dr. Andreas Khol statt, so dass manche muslimische Würdenträger die Qual der Wahl hatten, welcher Einladung sie folgen sollten.
Aber nicht nur politische Würdenträger, sondern auch andere Volksvertreter zeigten ihre Wertschätzung der Muslime in Österreich durch Iftar-Empfänge im Ramadan.
Auch bei der Arbeiterkammer (Gewerkschaft) Wien gab man sich beispielsweise die Ehre muslimische Gäste mit hochrangigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Tisch zu bitten.
Doch auch umgekehrt fand reger Austausch und Begegnung statt. Islamische Gemeinden luden sich gegenseitig zum Fastenbrechen in ihren Räumen ein und hochrangige Vertreter von Stadt und Land leisteten als Ehrengäste ganz selbstverständlich Folge. Von Kommunikationsverweigerung
und Berührungsängsten wie in manchen Nachbarländern keine Spur. So hielt Dr. Alfred Gusenbauer, Klubvorsitzender (Fraktionsvorsitzender) der SPÖ und nunmehr Bundeskanzlerkandidat, als Ehrengast in den Räumen der Österreichisch Islamischen Föderation eine Ansprache und sprach von der gemeinsamen Verantwortung aller BürgerInnen dieses Landes für Österreich.
Den Abschluss dieser neuen Tradition des Miteinanders bildete der festliche Id-ul-Fitr-Empfang beim Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer in der Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg.
Omar Al-Rawi, Wiener Gemeinderat (Landtagsabgeordneter): “Diese symbolträchtigen Zusammenkünfte haben mit Sicherheit nicht, wie manche Ewiggestrige zu wissen meinen, die Stadt Wien, sondern die Herzen der Muslime erobert und ihre Loyalität zu diesem Land verstärkt.“

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