Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Innerlichkeit im Gebet

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Ein Mann kam zum Propheten (sas) und sagte: „Gib mir einen Rat“. Da sagte er: „Wenn du im Gebet stehst, bete, als sei es dein letztes Gebet, und sprich kein Wort, für das du dich morgen entschuldigen musst, und baue nicht auf das, was in der Hand von Menschen liegt.“ (Ahmad, Mischkat)

„Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden, deshalb erschuf ich die Welt.“ (nach Ibn ‚Arabi)

Der Kosmos, die Erde und wir selbst wurden erschaffen, damit wir Allah suchen, und uns – wenn wir Ihn durch Seine Gnade gefunden haben – in Erfurcht vor ihm niederwerfen. Diese Niederwerfungen, unsere Gebete, sind der eigentliche Zweck unseres Daseins. Manchmal bleibt uns neben den vereinnehmenden Verpflichtungen des Diesseits nicht die Zeit, darüber nachzudenken, weshalb wir hier sind. Die Wichtigkeit des Gebets ist uns nicht immer bewusst. Manchmal eilen wir nach dem Freitagsgebet davon, ohne das Sunnagebet verrichtet zu haben. Tatsächlich gibt es aber für uns in diesen paar Minuten auf der ganzen Welt nichts Wichtigeres zu tun als dieses Sunnagebet zu verrichten – sofern wir den Zweck unseres Daseins als Massstab für unsere Prioritäten anlegen. Zu einem Gebet gehören nicht nur die Worte und Bewegungsabläufe. Zu einem Gebet gehört unbedingt auch Innerlichkeit, Einkehr, Andacht. Wie bringen wir Innerlichkeit in unsere Gebete?
Die Weichen für ein intensives Gebet werden schon vor dem Beginn des eigentlichen Gebets gestellt. Innerlichkeit fängt damit an, dass wir zur richtigen Zeit mit dem Gebet beginnen. Die Haltung sollte nicht sein: „Oh! Bald bricht die Zeit des Nachmittagsgebets an, wir müssen schnell noch das Mittagsgebet verrichten!“. Die Haltung sollte viel eher sein: „Oh! Bald bricht die Zeit des Nachmittagsgebets an, bald können wir beten.“
Gebet

Als Vorbereitung auf das Gebet nehmen wir die rituelle Waschung vor. Unsere Gedanken sind währenddessen bei Allah und richten sich auf die jenseitige Welt aus. Deshalb scherzen wir auch nicht miteinander, während wir die rituelle Waschung vornehmen. Zur Vorbereitung des Gebets gehört auch die Wahl angemessener Kleidung.

Wir schaffen die richtige Atmosphäre für das Gebet, in dem wir Radio/Fernsehen ausschalten und lieber zweimal nachprüfen, ob unser Natel wirklich ausgeschaltet ist. Denn sollte es klingeln, wird uns dies unweigerlich aus der Konzentration des Gebets herausreissen, uns und alle die mit uns beten. Wenn alles bereit ist, und auch nichts in der Gebetsrichtung platziert ist, das uns ablenken kann, Bilder, Figuren, etc, dann rufen wir zum Gebet. Wenn wir die Hände zum Takbir ul-Ihram (Allahu akbar) heben, treten wir in das eigentliche Gebet ein. Im Gebet kommunizieren wir mit Allah, ganz direkt. Wie kann es sein, dass unsere Gedanken während dem Gebet – wir stehen vor Allah und sprechen mit Ihm – mal hier und mal da hin schweifen? Bei einem Verkaufs- oder Bewerbungsgespräch sind unsere Gedanken aber fokussiert. Eine der wichtigsten Bedingungen für ein inniges Gebet ist Konzentration. Wenn wir uns nicht konzentrieren können, müssen wir uns fragen warum nicht. Was ist der Grund? Mangelt es an der Vorbereitung des Gebets? Dann ist es einfach. Mangelt es uns an Wissen? Wissen wir zu wenig um wirklich Ehrfurcht vor Allah zu haben? Oder ist es Schaitan, der uns während dem Gebet durch seine Einflüsterungen ablenkt? Was es auch ist, wir bitten Allah in einer Du’a um Schutz vor Schaitan und um Konzentration im Gebet.

Wir bewegen uns langsam und würdevoll im Gebet. Bewegungen, die nicht zum Gebet gehören unterlassen wir ganz. Wenn wir vor Allah stehen, geziemt es sich nicht, den Bart zu kratzen, an den Kleidern zu zupfen oder anstelle einer Niederwerfung eine hektische Gymnastikübung zu vollbringen. Abgesehen davon lenkt uns dieses Verhalten von der Konzentration im Gebet ab.

Im Gebet sprechen wir langsam. Wir dürfen niemals vergessen, dass die Worte des Qur’an – Allahs Worte – enormes Gewicht haben. Wie könnten wir die Worte Allahs herunterleiern? Wenn wir langsam sprechen, haben wir Zeit um über das Gesprochene nachzudenken. Über das Gesprochene nachzudenken ist etwas vom Wichtigsten, um Innerlichkeit in das Gebet zu bringen. Der Eine oder der Andere wird jetzt vielleicht denken: ja, aber ich spreche doch kein Arabisch, während ich rezitiere verstehe ich nichts. Wir können die Bedeutung in einem Tafsir nachlesen, und wenn wir mehr wissen möchten, bitten wir den Imam, uns die Bedeutung der kleineren Suren ausführlich zu erklären.

Um diese Dinge im Alltag umzusetzen, hilft es, sich die einzelnen Punkte auf eine Checkliste zu schreiben und irgendwo aufzuhängen, wo man auf dem Weg zum Gebetsplatz vorbeigeht. Hier nochmals die Punkte in einer Zusammenfassung:

Vorbereitung
– Gebetszeit einhalten
– Wudu bewusst machen
– Sorgsame Kleidung
– Gebetsplatz ohne Ablenkungen
– Radio/Fernsehen/Natel ausschalten

Vollständiges Gebet
– Gebetsruf (Adhan / Iqomat)
– Sunnagebete vor und nach dem Gebet
– Dhikr und Du’a nach dem Gebet

Konzentration
– Langsam und würdevoll bewegen
– Langsam sprechen und über das
Gesprochene nachdenken

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