Die Gemeinschaft

Muslime in der Zentralschweiz

Integrations- oder Ignoranzgipfel?

Posted by Die Gemeinschaft - 1. Januar, 2007

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! (Faust Teil 1)

Im Juli 2006 fand in Berlin nach mehr als 50 Jahren Einwanderung der erste Integrationsgipfel in Deutschland statt. Was für die Betroffenen eher “der Tragödie erster Teil“ war, wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel als “fast historisches Ereignis“ gepriesen, mit deren Ergebnis sie “ausserordentlich zufrieden“ sei.

Waren die Erwartungen an dieses historische Ereignis im Vorfeld noch gross, sanken sie stetig je näher der Gipfel rückte und verstecken sich seither unter dem (Kopftuch-)Schleier der Vergessenheit. Eine Nachfrage beim Bundeskanzleramt, kurz vor der Islamkonferenz im September, was das Ergebnis des historischen Gipfels sei, wurde mit Verwunderung aufgenommen. “Er hat stattgefunden!“ Aber was ist dabei rausgekommen? “Man hat sich getrofffen!“ Wozu? “Da muss ich fragen, das ist so lange her“. Die Mehrheit der Betroffenen, die Muslime und die Islamischen Organisationen konnte die Euphorie über den Gipfel ohnehin nie teilen. Hatte man sie doch einfach übergangen. Zugelassen zur Entwicklung eines nationalen Aktionsplanes für Integration, so die Zielvorgabe des Gipfels, waren 86 Personen, mehrheitlich Nicht-Migranten: Bundesminister, Vertreter von Kommunen, Religionsgemeinschaften, Sozialpartner, Wohlfahrt, Sport, Medien, Wissenschaft und Stiftungen zu zwei Dritteln. Das magere restliche Drittel waren Betroffene, Vertreter von Migrantenorganisationen und sogenannte Einzelpersönlichkeiten mit Zuwanderungsbiografie, handverlesen vom Bundeskanzleramt nach Auswahlkriterien die ebenso mysteriös waren, wie die Begründungen schwammig.
Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist (Faust Teil 2)
Unter den 86 Geladenen waren die Muslime als Religionsgemeinschaft mit einer Person vertreten, die erst in letzter Sekunde zugelassen wurde. Ein Vertreter des türkischen Staatsislam erhielt den Zugang zu den “heiligen“ Hallen. Auch wenn die offizielle Version für den fast kompletten Ausschluss der Muslime lautete: Religiöse Fragen sollten erst bei der Islamkonferenz geklärt werden, war dies wenig glaubwürdig, da einerseits die Muslime die grösste Gruppe der Klientel stellen, über die verhandelt wurde und andererseits Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen sowie der orthodoxen und der jüdischen Gemeinden anwesend waren. So wird trotz aller Dementis beim Blick auf die Teilnehmerliste klar: Muslime sind in Deutschland keine Gesprächspartner für Politik, sondern sie sind Unmündige oder
aber eine Gefahr für den Weltfrieden, die in Terrordateien geheimdienstlich erfasst werden müssen. Den deutsch-sozialisierten Normalo-Muslim und seine Vertreter hat die deutsche Politik noch nicht entdeckt, da sie auf diesem Auge seit Jahrzehnten blind ist.

Man erinnert sich, dass deutsche Politiker seit Jahren die Kommunikation mit den Muslimen in Deutschland verweigern, weil sie nicht mit “Einzelpersonen“ und vor allem nicht mit “nicht-repräsentativen Islamischen Organisationen“ verhandeln könnten. Eben diese Politiker haben nun keine Probleme mehr damit, zum Gipfel ihrer historischen Integrationsposse “Einzelpersönlichkeiten“ zu laden, die für gar keine Gruppe sprechen, nein panisch den Kontakt zur islamischen community meiden, und diese “Null-Vertreter“ zudem zu bevollmächtigen, über die Belange der Muslime zu entscheiden.

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. (Faust Teil 1)
Wundergläubigkeit ist in der Tat gefragt, wenn man die Aussagen der Bundeskanzlerin nach dem Gipfel ernst nehmen will: “die Teilnehmer des Gipfels seien sich einig gewesen, miteinander und nicht übereinander zu sprechen“ und “Debatten hatte es im Vorfeld auch über die Auswahl der Teilnehmer gegeben. Diese Frage sei während des Gipfels ohne Aufgeregtheit behandelt worden. Es sei angedacht worden, inwieweit mit denen, die nicht dabei waren, die Kommunikation nochmals aufgenommen werden könne.“
Da die sechs Arbeitsgruppen, die den Integrationsplan erstellen, aus Teilnehmern des Integrationsgipfels bestehen, bleibt es beim “Denken an die Kommunikation“ mit denen, die nicht dabei waren. Ebenso ad acta gelegt wurde der Vorsatz “miteinander und nicht übereinander“ zu sprechen, denn wie sonst erklärt sich das grosse Schweigen der Bundeskanzlerin seit dem Gipfel. Auch beim Schwerpunkt der Integration, der laut Arbeitsminister Müntefering “dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit“ zukommt, ist für die Betroffenen neben Staunen vor allem Wundergläubigkeit angesagt. Denn Programme zur Eingliederung von Migranten in den Arbeitsmarkt müssen bei Muslimen so lange scheitern, wie der Ausschluss muslimischer Frauen vom Arbeitsmarkt per “Lex Kopftuch“ gesetzlich verankert bleibt, und mittels “gender-equality-program“ der (Anti-Muslime) “Terror-Datei“ zunehmend hochqualifizierte junge muslimische Männer Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

“Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ (Faust Teil 1)

Karola Khan

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